Als Ereignis der deutschen Bank- und Wirtschaftsgeschichte ist in der vergangenen Woche die durch alliierten Machtspruch erzwungene und durch deutsches Gesetz festgelegte Ausgründung der Nachfolgeinstitute der drei Großbanken erfolgt. Während die drei Altinstitute nur als Verwalter und Abwicklungsstellen noch ungeklärter Verbindlichkeiten weiter zur Verfügung gehalten werden, hat mit dem rückwirkenden Datum vom 1. Januar 1952 in jedem der drei Bankbezirke Süd, West und Nord je eine Nachfolgebank der drei Großbanken ihre geschäftliche Tätigkeit als selbständige Aktiengesellschaft aufgenommen. Keine dieser neuen Aktienbanken kann in Zukunft für die Verpflichtungen eines anderen (ehemaligen) Schwesterinstituts herangezogen werden.

Mit dieser Neuordnung ist eines der unerfreulichsten Kapitel der Nachkriegsgeschichte zum Abschluß gekommen. Unter dem Vorwand, daß die deutschen Großbanken als Frucht politischer Machenschaften zu gefährlichen Machtgebilden angewachsen wären (was nie bewiesen werden konnte), erzwangen die Alliierten nach dem Kriege die Aufgliederung in selbständig arbeitende Länderbanken. Dieses Provisorium der dreißig Teilinstitute, die in den ihnen zugewiesenen Tätigkeitsräumen ohne ausreichende Geschäftsbasis blieben, ist jetzt beendet. Die neuen neun "Großbanken", in die das gesamte im Bundesgebiet gelegene Geschäft der Mutterinstitute mit allen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten eingebracht worden ist, und die auch als ihre allein autorisierten Rechtsnachfolger gelten (die dreißig Nachkriegsinstitute waren keine selbständigen Rechtspersönlichkeiten im Sinne des deutschen Handelsrechts), dürften ihrer Struktur und ihrem Status nach doch wenigstens in etwa in der Lage sein, die Funktionen zu erfüllen, die Instituten dieser Art im Rahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaues und der Wiedereinschaltung des deutschen Wirtschaftsraumes in den Welthandel gestellt sind.

Auf den drei außerordentlichen Hauptversammlungen am vergangenen Donnerstag wurden gute und böse Worte gesprochen. Man ist einerseits froh darüber, die Periode eines unerfreulichen Schwebezustandes mit mancherlei Reibungen und Verdrießlichkeiten überwunden zu haben und klarer und hoffnungsvoller in die Zukunft blicken zu können. Nach langjährigem Dispens sind die Aktionäre wieder in ihre Eigentumsrechte eingetreten und dürfen auf Grund der guten Ertragslage mit einer Dividende rechnen. Aber niemand soll auseinanderreißen, was in langen Jahrzehnten organisch zusammengewachsen ist. Niemand wird auch behaupten wollen, daß mit dieser Zerschlagung des alten Großbankensystems Mißstände beseitigt und etwas Besseres an ihre Stelle getreten ist. Jedenfalls muß das erst die Zukunft beweisen, die auch zeigen wird, ob dieser Kompromiß, der jetzt zwischen übereifrigem Dekartellierungseifer und wirtschaftlicher Vernunft gefunden worden ist, eine Lösung von Dauer ist.

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Die Eröffnungsbilanzen der Nachfolgebanken weisen ein Bilanzvolumen von insgesamt 7,9 Mrd. DM aus, das sich mit 3,4 Mrd. auf den Raum Nordrhein-Westfalen, mit 2,7 Mrd. auf den Südbezirk und mit 1,8 Mrd. auf den Raum Nord verteilt. Nordrhein-Westfalen erweist sich also in der regionalen Aufteilung eindeutig als Schwerpunkt und repräsentiert, gemessen an der Bilanzsummen der Nachfolgebanken, fast das Doppelte an Wirtschaftskraft als die Länder Schlesvig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Entsprechend dem alten Stärkeverhältnis wird die größte Nachfolgebank in jedem Bezirk jeweils von der Deutschen Bank gestellt, gefolgt von der Dresdner Bank und der Commerzbank. Das Eigenkapital der neuen Aktienbanken stammt zum kleineren Teil aus der Umstellungsrechnung, zum größeren Teil aus Gewinnbeträgen, in den Jahren nach der Währungsreform erwirtschaftet wurden, und aus den gemäß § 11 des Großbankengesetzes aufgewerteten westdeutschen Wertpapieren. Im Vergleich zu der Bilanzsumme und den Einlagen ist die Eigenkapitalbasis der neuen Institute verhältnismäßig schwach. Einem Einlagenbestand von insgesamt 6,2 Mrd. DM steht ein Eigenvermögen von 311 Mill. DM gegenüber, d. h. also eine Deckung you knapp 5 v. H., wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die Höhe der inneren Reserven aus den Eröffnungsbilanzen nicht zu ersehen ist. Kr. Praxis allerdings haben die Großbanken immer eine einheitliche Linie in der Dividendenpolitik verfolgt und werden es auch weiter tun. E. S.

Dresdner Nachfolger

Daß Tradition auch ihre guten Seiten haben kann, erwies sich am 25. September in Frankfurt bei der ao. HV. der Dresdner Bank. Weitgehende Zerstörung der Gebäude; politisch bedingte Suspendierungen, Entlassungen und Verhaftungen bei Direktion, Mitarbeitern, Aufsichtsrat und Vorstand; Aufsplitterung in elf größere und kleinere Teile; Geschäftsdezimierung durch die Währungsreform auf 10 v. H. bzw. 6,5 v. H. bei mindestens gleich hohen Unkosten in DM wie in RM; kurz: die Wechsel vollen Ereignisse der letzten Dekade von (oft recht trüben) Jahren hat den gesunden Kern der fast achtzigjährigen Dresdner Bank nicht zerstören können.