Die Industrie Gesellsäiaften tun recht daran, burten, Krankheiten, Unfällen, Hochzeiten, Ver Geschäftsberichten ver- iobunzen. Sterbefällen. Konfirmionf r für fa wenn sie in ihren Geschäftsberichten verstärkt die Leistungen in das Rampenlicht rücken, die heute in den Betrieben über die durch Gesetz festgelegten Aufwendungen hinaus freiwillig zugunsten der Arbeiter und Angestellten aufgebracht werden. Manches;, harte Urteil über die "einseitige Bevorrechtung des Kapitals" mag dadurch korrigiert, zumindest gemildert werden. Die freiwilligen sozialen Aufwendungen in der Industrie haben in Westdeutschland einen Umfang erreicht, der dem sozialen Verantwortungsgefühl des deutschen Unternehmers ein eindeutiges Zeugnis ausstellt. Das muß auch derjenige zugeben, dem dieser "good will", zu helfen, wo geholfen werden kann, aus Gründen der Doktrin nicht in das Konzept paßt und der vor sichtbare Tatsachen das Argument stellt, daß diese Aufwendungen die Betriebe "billig" zu stehen kommen, weil sie infolge der hohen Progression der Gewinnbesteuerung zu einem großen Teil vom Finanzamt, d h vom Staat und der Allgemeinheit bezahlt werden. Die heute in den Betrieben bereits zu einer guten Sitte gewordene Übung, den Betriebsangehörigen Hilfestellungen aller Art zu geben, zu denen die Unternehmer weder tariflich noch gesetzlich verpflichtet sind, hat eine alte, jahrzehntelange Tradition. Freiwillige soziale Leistungen gab es auch schon in den Jahren, als es sich durchaus noch lohnte, Gewinne zu machen und auszuweisen. Neu ist heute nur ihre Höhe und die Tatsache, daß sie im "sozialen Wettbewerb" der Betriebe untereinander eine offensichtlich steigende Tendenz aufweisen. Hier allerdings, sind Bedenken anzumelden — aus allgemeinen volkswirtschaftlichen und sozialen Gründen.

Wenn in einem. Unternehmen die freiwilligen sozialen Aufwendungen, die im Jahre 1951 gemacht wurden, in einer Summe ausgewiesen werden, die über dem Gewinn liegt, der nach Abzug der Steuern dieser Firma verbleibt, dann spricht das für die soziale Haltung des Betriebseigentümers. Wenn aber dieser Gewinn nicht ausreicht, um die Investierungen vorzunehmen, die notwendig sind, um den Betrieb technisch auf der Höhe, zu halten, dann ist hier offenbar die Grenze überschritten, die der sozialen Initiative auf innerbetrieblichem Gebiet gesetzt ist. Was den Arbeitnehmern dieses Betriebes auf dem Wege besonderer Zuwendungen bei Jubiläen, Gelobungen, Sterbefällen, Konfirmationen, für Iterspensionen, Kuren, Arbeitskleidung, Werkküchenverpflegung, Gratifikationen, Prämien und andere Unterstützungszwecke, die unter dem Begriff der sozialen Aufwendungen fallen, zusätzlich zu Gehalt und Lohn gegeben wird, das wird der produktiven Substanz der Volkswirtschaft zu eben jenem Teil entzogen, der zur Deckung der notweadigen Investitionen dieses Betriebes fehlt — es sei denn, dieser Betrag würde von den Arbeitnehmern dieses Betriebes in freier Ersparnisbildung dem Kapitalmarkt zur Verfügung gestellt werden. Wenn man bedenkt, was dis Ausbleiben notwendiger Investitionen bed:utet, nämlich die Unmöglichkeit, durch Modernsierung der technischen Ausrüstung des Betriebes für den Verbraucher besser und billiger zu produzieren, dann stehen wir hier vor der Tatsache, diß soziale Erleichterungen für einige hundert Menschen mit sozialen Härten für viele Tausende bezahlt werden müssen. Das ist zwar nicht der Normal, aber auch nicht der Einzelfall. Man eiinnert sich noch der beabsichtigten Preissenkung eiies Unternehmers, die deswegen ausblieb, weil d:e Belegschaft (aus Gründen der sozialen Leistungsfähigkeit "ibres" Betriebes) damit nicht eii verstanden war.

Die Problematik der freiwilligen sozialen Leistungen ist die Problematik der sozialen Leistungen überhaupt. Ohne Sozialfonds und soziale Hilfen für die Härtefälle des Lebens geht es in unserer durch die Kriegsfurien blindwütend zufammengeschlagenen Volkswirtschaft mit ihren so vielfältigen menschlichen Einzelschicksalen nidit. Es zeigt sich auf der anderen Seite aber irrmer wieder, daß diese Hilfen, wenn sie zum Syitem werden, aus einer ihnen innewohnenden . Dynamik, die durch den Egoismus der Gruppen forciert wird, sehr rasch Größenordnungen annehmen, die sich als massiver Bremsklotz vor das weitere Wachstum des Sozialprodukts legen. Das ist heute bei den Leistungen der Fall, die von Staats wegen für die soziale Sicherheit Jahr für Jair in steigender Höhe aufgewendet werden. Dasselbe droht aber auch auf freiwilliger Basis nu auch in den Betrieben Wirklichkeit zu werden, die sich aus dem sozialen Ressentiment "von oben" in einem "sozialen Wettbewerb" hineinsteigern und dabei aus dem Auge verlieren, daß im Gegensatz zu dem sozialistischen Programm die marktwirtschaftliche Lösung der sozialen Frage nicht im Teilen und Umverteilen liegt, sondern im Erzeugen, d h im Billiger- und MehfProduzieren und damit in einer immer besseren Veisorgunig der Bevölkerung. Hier liegt ja doch die Chance der Marktwirtschaft, sich als eine sozale zu erweisen, als ein System, das in konsequenter Durchführung seiner Prinzipien zu einem opt malen Lebensstandard nicht nur einzelner Grtppen, sondern der Allgemeinheit führt. Solche Bedenken, die sich im Hinblick auf die steifende Tendenz der freiwilligen sozialen Aufwer dungen in den Betrieben anmelden, richten sich nicht gegen das Prinzip und die Tatsache der innerbetrieblichen Fürsorge und Hilfeleistung, die heu;e im kleinen und großen fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, sondern gegen ihre Übersteigerung und Überforderung als Mittel zur Lösung der sozialen Frage. Es ist noch nicht ausgemacht, ob Zuwendungen dieser Art, die ihrer , Natur nach nicht an die Leistung des einzelnen gebunden sind, sondern kollektiv gewährt werden, bei dem Arbeitnehmer so ankommen, wie sie gemeiit sind und als mehr als ein Anteil geweriet werden, der im Sinne der Gerechtigkeit von dem "Mehrwert des Kapitalisten" abzuzweigen ist. Was der einzelne Betrieb zur sozialen Entspannung beitragen kann, ist in erster Linie ein gesunder Status, aus ihm heraus die Sicherung des Arbeitsplatzes für die in ihm Beschäftigten und eine optimale Versorgung der Verbraucher. Wenn darüber hinaus für den Mann an der Drehbank und am Zeichentisch soziale Hilfen gegeben werden, weil sie gegeben werden können, dann ist das allerdings auch ein Beitrag zur sozialen Befriedung und eine Brücke, die von dem Direktor einer Fabrik zum letzten Lauf r jungen gebaut und von MensA zu Mensch beschrkten werden kann. Darauf kommt es dann