Von unserem Korrespondenten

BL Hannover, Ende September

Die Koalition in Niedersachsen droht seit Wochen auseinanderzufallen. Der BHE ist mit der Personalpolitik seines großen sozialdemokratischen Koalitionspartners nicht einverstanden, da dieser es versteht, alle wichtigen Schlüsselpositionen mit seinen Leuten zu besetzen. Das Zentrum wiederum befindet sich mit der Kulturpolitik der SPD im Konflikt, die das Elternrecht nicht anerkennen will. Infolgedessen gehen seit Wochen die Besprechungen zwischen dem, BHE und den bürgerlichen Oppositionsparteien hin und her.

Angesichts der Fraktionsstärken im Landtag wäre eine bürgerliche Regierung mit Einschluß des BHE durchaus möglich; sie würde auch ohne die 13 früheren SRP-Abgeordneten, die sich jetzt zu einer Fraktion "Dr. Schrieber und Genossen" zusammengeschlossen haben, eine allerdings sehr knappe Mehrheit gegen die 63 SPD- und 2 kommunistischen Abgeordneten zustande bringen. Die Deutsche Partei, die während des letzten Wochenendes wiederum Heinrich Hellwege zum Landesvorsitzenden wählte, ist durchaus entschlossen, mit den anderen bürgerlichen Parteien die Regierung zu übernehmen. Auch die CDU Niedersachsens hat sich am Sonntag in diesem Sinne ausgesprochen. Unklar ist aber noch die Haltung der FDP; hier scheinen sich Bonner Kreise zusammen mit dem Landesvorsitzenden Stegner ins Mittel zu legen, Ihre Entscheidung wird abgewartet, bevor man ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung Kopf im Landtag einbringt. Infolgedessen stehen die Dinge auf des Messers Schneide, und es läßt sich nicht übersehen, ob das Kabinett Kopf noch vor der Wende des Jahres durch ein Kabinett des früheren CDU-Justizministers Dr. Hofmeister abgelöst werden wird. Möglich ist auch, daß nach dem Dortmunder SPD-Parteitag doch noch eine Verständigung zwischen der Sozialdemokratie und dem BHE zustande kommt und auf diese Weise die Krise noch einmal überbrückt wird; auch dann würde man freilich nicht von einer starken aktionsfähigen Regierung in Niedersachsen sprechen können.