Auf den Generalversammlungen großer deutscher Maschinenbaufirmen ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die meist guten Jahresabschlüsse, die steigenden Umsätze und hohen Auftragsbestände eine in zweierlei Hinsicht ernste Situation überstrahlen. Die nicht sehr erfreulichen Minuszeichen innerhalb der (an sich guten) Gesamtlage des Maschinenbaues häufen sich bei Betrachtung des Anlagezustandes der Maschinenfabriken des Exportgeschäftes und der Lieferfristen.

Nach der jüngsten Umfrage des Vereins Deutscher Maschinenbauanstalten (VDA) liegt das Alter der in der westdeutschen Maschinenindustrie vorhandenen Werkzeugmaschinen mit 30 v. H. bei über 20 Jahre, mit fast 40 v. H. zwischen zehn bis zwanzig Jahren und mit nur 30 v. H. im Zeitraum von weniger als zehn Jahren. Erfahrungsgemäß sollte aber eine Werkzeugmaschine, wenn der Betrieb modern und konkurrenzfähig bleiben will, nach etwa zehn Jahren erneuert werden. Wer seine Maschine länger als zehn Jahre im Betrieb hat, sie ständig durch Reparaturen und Teilerneuerungen technisch leistungsfähig und "frisch" hält, nimmt als Gegenposten steigenden Betriebsaufwand, höhere Ausgangspreise und somit ein mehr oder weniger schweres Handicap beim Preiskampf auf den Wettbewerbsmärkten auf sich.

Es wäre falsch, annehmen zu wollen, die offensichtliche Überalterung des Maschinenparks der deutschen Maschinenbauindustrie wäre nur eine Angelegenheit dieser Industrie selbst. Wir meinen, daß ein längeres Vernachlässigen des dort unbedingt notwendigen Modernisierens auf die Dauer einen volkswirtschaftlichen Rückschritt bringt. Ein Vergleich mit den USA zeigt, was drüben auf diesem Gebiet getan wird. Der Maschinenbau der USA hat für 1951 und 1952 ein Investitionsprogramm in den eigenen Werken in einer Hohe von 1,3 Mrd. $, also von fast 5,5 Mrd. D M, laufen. Dies bringt eine Kapazitätssteigerung von 30 v. H. ein, während im Durchschnitt der sonstigen US-Industrie für 1951 und 1952 eine Kapazitätsausweitung von "nur" 16 v. H. festzustellen ist. Diese gewaltigen Investitionen kommen zu 78 bis 87 v. H. aus eigenen Gewinnen und Reserven und nur zu einem Bruchteil aus Krediten oder Neukapital. Dieser Investitionssatz wäre für Westdeutschlands Steuerbehörden nicht nur eines Studiums wert, sondern müßte zu ernsthaft betriebenen Reformen auf dem Gebiete der Abschreibungspolitik führen.

Was die Export- und Liefersituation betrifft, so liegen sehr unterschiedliche Meinungen vor. Der Maschinenbau steht heute mit mehr als 550 000 Beschäftigten hinter der Textilindustrie an zweiter Stelle der Industriezweige, wenn man sie nach der Zahl der Beschäftigten einteilt. Hinsichtlich der Höhe seines Exportes ist er 1951 mit 2,55 Mrd. DM Ausfuhrwert vor dem Bergbau auf den ersten Platz gerückt. Gleichzeitig wuchs der Exportanteil am Produktionsumsatz von 11 v. H. in 1949 auf 33 v. H. in 1951, das heißt, innerhalb von drei Jahren von einem Zehntel auf ein Drittel. Damit ist der Stand des Jahres 1938 (30 v. H.) etwas überschritten.

Nicht nur in der deutschen, sondern auch in der konkurrenzbedingt nervösen Auslandspresse werden Großaufträge aus anderen Ländern, die an deutsche Maschinenbaufirmen oder Konsortien fallen, stets groß herausgestellt. Es entsteht daraus zuweilen der Eindruck, als ob diese Exporte sozusagen von selbst anfallen. Erst im Frühsommer dieses Jahres hatte zum Beispiel der Vorsitzer des Vorstandes der DEMAG AG., Duisburg, darauf hingewiesen, daß diese einseitige Darstellung nicht nur den Tatsachen widerspreche, sondern auch schädlich sei. Tatsächlich zeigt sich auch im Verlauf der letzten Monate, daß in einzelnen Maschinenbauzweigen, darunter z. B. bei Präzisionswerkzeugen und Maschinen mit starkem Edelstahlanteil, stärkste Exportückgänge zu verzeichnen sind und Auftragsschrumpfungen zwischen 30 bis 40 v. H. gemeldet werden.

In den meisten Fällen wird der Rückgang der Exportaufträge auf die nicht mehr wettbewerbsfähigen Preise zurückgeführt. Dabei dürften die Eisen- und Stahlpreise schon nach ihrer Erhöhung im Frühjahr 1952 die preisliche Dispositionsbreite der mittleren und kleineren Maschinenbaufirmen ungemein zusammengepreßt haben. Die jetzt erfolgten neuen Preisaufschläge seit Freigabe der Preise, die zwischen 14 und 95 DM je t liegen, kompensieren zwar die Schwarzzuschlage vergangener Zeit, sie dürften aber doch die Exportsituation des deutschen Maschinenbaues weiter verschlechtern.

Ferner wird vom Maschinenbau allseitig über die Unzuverlässigkeit der Lieferzusagen aus der ersten Stufe der Eisenindustrie an die Weiterverarbeitung geklagt und darauf hingewiesen, daß die Unsicherheit der Liefertermine einen großen Teil des noch preislich möglichen Exportgeschäftes zunichte mache. Nun liegen, was die Lieferfähigkeit betrifft, sicherlich Verhältnisse auf der Erzeugungsseite vor, die zum großen Teil als Kriegsfolgeschaden zwangsläufig sind. Für die Großverbraucher hat sich im Verlauf des Sommers die Lage jedoch beträchtlich gebessert. Nicht aber für das Gros der mittleren und Kleinbetriebe.

Der Rückschlag im Maschinenexport ist noch aus einem anderen Grunde bedenklich. Er trifft den deutschen Maschinenbau immer noch in einer Situation des Nachhinkens. Im Vergleich zu England liegen die Ausfuhren erst bei etwa 50 H. der britischen Ausfuhrmengen anstatt bei 80 v. H., wie es 1936 war. Im Vergleich mit den amerikanischen Ausfuhren liegt der deutsche Maschinenexport erst bei 27 v. H. anstatt bei 58 v. H. (1936). Berechnet man den Stahlverbrauch je Kopf der Bevölkerung, dann liegt Westdeutschland noch immer um gut 12 v. H. unter dem Mittel der Jahre 1935 bis 1938, während er in Großbritannien um 21 v. H., in Frankreich um 44 v. H. und in den USA (allerdings auch kriegsbedingt) um 100 v. H. darüber liegt. Diese Ziffer, wie die nachhinkende und wieder rückläufig werdende Mengenausfuhr deutscher Maschinen sollten die westdeutschen Maschinenbaufirmen einmal veranlassen, der Öffentlichkeit Mitteilung darüber zukommen zu lassen, welche Exportaufträge interessanter Art in den letzten Monaten für Deutschland verlorengegangen sind. Es sollten die Firmen auch die Gründe, die in jedem Einzelfalle zum Verlust geführt haben, angeben. Aus der Häufung dieser Beispiele der Praxis könnten sicherlich die Schwerpunkte einer bereits unverkennbaren Schwächeposition abgelesen werden. Dieser Saldo wäre eine Unterlage für Publizisten und Regierung, geeignete Gegenmaßnahmen zu erörtern und zu ergreifen, sowie ungünstige Beeinflussungen abzubremsen. WOR