Die Zweite Europäische Werkzeugmaschinen-Ausstellung war, nach übereinstimmendem Urteil, ein schöner Erfolg. Bei den "gedämpften" Investitionsmöglichkeiten mußte man wohl damit rechnen, daß viele Besucher in der Absicht kamen, einmal einen Gesamtüberblick zu gewinnen, also: um zu sehen, in welcher Richtung sich die Entwicklung bewegt. Das ist ja vielfach noch wichtiger, als das Aussuchen einer bestimmten Maschine, die man dann schließlich auch "nach Prospekt" kaufen kann.

Messen sind notwendig; viele Messen sind lästig, und zu viele Messen bedeuten eine Verschwendung: von Geld für den Aussteller, von Zeit für den Besucher. Deshalb ist es zu begrüßen, daß die seit längerer Zeit schon laufenden Bestrebungen, die Zahl der Ausstellungen zu begrenzen und nur einmal im Jahr eine Fachmesse abzuhalten, für den kontinentaleuropäischen Werkzeugmaschinenbau zu einem Ergebnis geführt haben. Da die Kapazitäten aller hier beteiligten Länder (im Werkzeugmaschinenbau) größer sind, als es dem jeweiligen Inlandsbedarf entspricht, sind sie sämtlich auf den Export angewiesen, also "eigentlich" Konkurrenten. Wenn man sich trotzdem darauf geeinigt hat, gemeinsam im "europäischen Rahmen" auszustellen, und jedes Jahr in einem anderen Land, so wird hier ein Stück "Europa-Denken" positiv spürbar.

Es ist freilich schwer, keine Satire darauf zu schreiben, daß zur gleichen Zeit, als die Ausstellung in Hannover stattfand, England – das wir ja nach alter Gewohnheit immer noch zu Europa rechnen – eine Sonderausstellung ("Olympia") seiner Werkzeugmaschinenindustrie abgehalten hat, und folglich nicht in Hannover vertreten war. Das mag wohl der britischen Mentalität entsprechen, sich zu 50 v. H. zu Europa, zu 50 v. H. zum British Commonwealth zu rechnen. Aber diese "insulare" Haltung und dieses Anhangen an der Idee des (ehemaligen) British Empire – in der Vergangenheit sicherlich gerechtfertigt – ist heute doch wohl fehl am Platze. Für uns bescheidene Beobachter des aktuellen Geschehens ergibt sich immerhin der etwas hoffnungsvolle Aspekt, daß Besucher aus den USA und aus den überseeischen Ländern, die London und Hannover gesehen haben, sich dort relativ kurz, hier aber um so länger aufhielten: weil sie eben doch der kontinentaleuropäischen Gemeinschaftsleistung größere Bedeutung und bessere Erfolgschancen zubilligten. Und das ist immerhin ein Trost: diese Ausstellung, die letztes Jahr in Paris und nun in Hannover stattfand, die 1953 in Brüssel und 1954 in Mailand stattfinden wird, ist ja für den Besucher aus diesem oder jenem der beteiligten Länder fast gleich bequem zu erreichen ... und für die Zukunft können wir Deutschen ja wohl hoffen, daß es ebenso einfach sein wird, eine bestimmte Maschine in Belgien oder Frankreich zu kaufen, wie es heute schon auf der Messe ist, den entsprechenden Stand des Herstellers zu besuchen.

Naturgemäß sind auf internationalen Messen die heimischen Firmen zahlreicher vertreten als die des ausländischen Einzugsgebiets. Unter Berücksichtigung dieses Sachverhalts bleibt es für den Besucher immerhin erstaunlich, wie viele ausländische Firmen nun doch im Werkzeugmaschinenbau tätig sind – wobei freilich die jeweils auf den Ständen gezeigten Objekte noch nicht ohne weiteres einen Rückschluß auf die insgesamt vorhandenen Kapazitäten erlauben. Trotz des Bestrebens, Europa als eine Gesamtheit aufzufassen, ist man eben doch versucht, Vergleiche anzustellen. Freilich zeigt sich da, wie schwer es ist, Qualifikationen "nach Ländern" zu haben. Spitzenerzeugnisse, nach Qualität, Ausstattung und Idee, zeigt eben jedes Land. Und genau so findet man, bei allen Nationen, nicht voll ausgereifte und nur mittelmäßige Konstruktionen. Trotz aller Bedenken gegen generalisierende Urteile darf man vielleicht doch folgendes bemerken: Die Schweiz glänzte sowohl durch Präzision, als auch durch Höhe der Preise. Italien hat die in Mailand (1948) gezeigten Konstruktionen – die damals ganz überwiegend als bekannte Typen (oder als deren Fortentwicklung in einem stark traditionell gebundenen Geist) anzusprechen waren, nun mit größerer Selbständigkeit weiter ausgestaltet, ja, zeigt sich sogar in den Konstruktionen mitunter "kühner" als andere; dabei ist man aber häufig auch etwas "großzügiger" als anderswo: zum mindesten was das Innere der Maschinen betrifft. (Vielleicht kann diese Art des Vorgehens eine Warnung auch für manche deutsche Firma bedeuten, die, um eines schnellen Exporterfolges willen, sich die Absatzchancen auf Jahre hinaus verdorben hat.) Frankreich brilliert mit einer Vielzahl von Maschinen, die zum Teil etwas leichter gebaut sein mögen als die entsprechenden deutschen Typen, und mit vielen neuen Ideen, besonders bei den Fräsmaschinen. Für Belgien kann gesagt werden, daß es, dem Volkscharakter entsprechend, etwa die Mitte zwischen Frankreich und Deutschland haltend, eine glückliche Mischung der beiden Elemente bietet.

Das Gesagte gilt, wie schon erwähnt, mit dem Vorbehalt, daß jede Generalisierung oder Etikettierung in die Gefahrenzone des Oberflächlichen und Nur-Feuilletonistischen hineinführt. Eher sollte man sagen, daß doch ziemlich ein Gleichstand erreicht sei. Und über die deutschen Hersteller wäre ja wohl noch zu sagen, daß "im Schnitt" der Anschluß an den technischen Stand der Nachbarn nun hergestellt ist. Das gilt ohne weitere Einschränkungen für Ausführung und Qualität, wo die deutschen Maschinenbauer teilweise sogar in der Spitzengruppe liegen. Was die Konstruktionen anbelangt, so ist das Bild – für die Neuentwicklungen – noch uneinheitlich. Wer von den Firmen früher in Mittel- oder Ostdeutschland ansässig war und seinen Betrieb erst neuerdings hierher verlagert hat, zeigt vorwiegend die alten, bewährten Ausführungen und geht meist noch nicht an Experimente heran. Andere Firmen, die von Demontagen oder von dem Verbot der Herstellung schwerer Aggregate betroffen waren, sind deutlich zu erkennen, im Vergleich zu anderen, die nun schon mehrere Jahre hindurch die Zeit gehabt haben, neben ihren alten Produktionsprogrammen auch neue Konstruktionen zu entwickeln und diese ausreifen zu lassen. Da ist also der Anschluß voll erreicht, und manche wegweisende Neuerung konnte geschaffen werden, während auf anderen Gebieten die Folgen der Nachkriegszeit noch überwunden werden müssen. Ferner ist zu erkennen, daß sich für einzelne Sparten nun doch wohl eine Übersetzung ankündigt. Wenn die Annahme zutrifft, daß der Investitions-Boom der Nachkriegszeit (und der Wiederaufrüstungsepoche!) nun allmählich abklinge, so wäre für die nächsten Jahre (bei der Entwicklung der Kapazitäten überall) eine Bereinigung zu erwarten. Viele Fachleute im Ausland, speziell in den USA. überlegen bereits, wohin die sich abzeichnende Überproduktion gelenkt werden könnte – womit also die (industriell) "unentwickelten Gebiete" stärker ins Blickfeld rücken.

Freilich: unser Inlandsmarkt wird noch auf Jahre hinaus recht aufnahmefähig sein, da ja die deutschen Betriebe (die "Maschinenverbraucher") mehr als anderswo mit überalteter Ausrüstung arbeiten müssen. Aus dem deutschen Blickwinkel heraus gibt es also eine Überkapazität höchstens für einige wenige Sparten, nicht aber für den Werkzeugmaschinenbau insgesamt. Sache einer vernünftigen deutschen Steuerpolitik wäre es nun also, über höhere Abschreibungssätze den Betrieben die Möglichkeit zu eröffnen, einen Modernisierungsprozeß in ihrem eigenen (maschinellen) Betriebsapparat einzuleiten und durchzuführen: zur Steigerung des Volkseinkommens und damit im Interesse der Gesamtheit der Verbraucher – sei es nun in der rationelleren Versorgung des heimischen Marktes – direkt, sei es durch verbesserte Wettbewerbsfähigkeit im Export, um somit zusätzliches Einkommen über den "Tausch im Außenhandel" (indirekt ...) zu schaffen. Bei der Schärfe des heutigen Wettbewerbs ist ein Abschreibungssatz von jährlich 10 v. H. (also eine Amortisation neuer Anlagen im Zeitraum von zehn Jahren) nicht mehr zeitgemäß.

Nun zur Frage der Preise: sie waren im großen und ganzen einander angeglichen, mit Ausnahme der Schweiz, die für ihre Spezialmaschinen mehr verlangt, die höheren Forderungen aber durch ein Mehr an "Spezialität" wettmacht. Sonst also galt: gleiche Preise bei gleichartiger Qualität. Selbst Italien, das noch bis vor kurzem merklich billiger war, nimmt nun keine Sonderstellung mehr ein. Unser Handicap gegenüber manchen Nachbarländern, und speziell Großbritannien, bilden die höheren Stahlpreise. Wenn dort die Preise, dank indirekter Subventionen, um rund ein Drittel niedriger liegen als bei uns, so wird insoweit auch der Schuman-Plan keine Abhilfe, d. h. keinen billigeren Stahl bringen. Freilich sind die britischen Preise eben manipuliert und keine "wahren" Preise; sie geben deshalb keinen echten / und auf die Dauer wirksamen Konkurrenzvorsprung. Und schließlich soll man sich durch die Gefahren einer (vielleicht spürbar werdenden) Überkapazität und (damit) eines schärferen Konkurrenzkampfes nicht entmutigen, sondern eher anspornen lassen. Wenn bei einem bestimmten Maschinentyp, der offensichtlich durch zu viele Firmen vertreten war, sich auf dem einen Stand die Interessenten drängten – trotz 50 v. H. höherer Preise und trotz ausgedehnter Lieferfristen (24 Monate!) – während auf dem Nachbarstand (wo von Lieferung in sechs Monaten die Rede war) sich kein reges Geschäft entwickelte, so gibt die Erklärung für diese "beginnende Auslese" ja wohl zu denken: die bevorzugte Maschine gilt eben, was Genauigkeit und Ausführung anbelangt, als die beste.