Von technischem Interesse ist, daß viele ausländische Maschinen mit ölhydraulischer und mit elektrischer Steuerung gezeigt wurden. Beide Systeme beruhen auf physikalischen Prinzipien, die (während des Krieges) im Ausland entwickelt wurden, als sich zeigte, daß bestimmte Aufgaben auf Sondergebieten der Technik auf dem herkömmlichen Wege nicht befriedigend zu lösen waren. Daß der Werkzeugbau sich die neuen Verfahren mehr und mehr zu eigen macht, obwohl er bisher mit den "klassischen" mechanischen Mitteln ganz gut zurechtgekommen ist, läßt erkennen, daß er die modernen Methoden zur Betriebsreife entwickelt hat und daß sie als "Handwerkszeug" im täglichen Werkstattbetrieb bereits Eingang gefunden haben.

Freilich hat, wie Hannover erneut erkennen ließ, die technische Perfektion auch ihre Kehrseite. Bei dem "normalen Kunden" des Werkzeugmaschinenbaus, der mittelgroßen Fabrik, die keine großen Serien herausbringt, können die hohen Investitionskosten für eine größere Produkt tionsmaschine – wirtschaftlich gesehen – nur schwer vom Produkt getragen werden. Nach dem Urteil, das man von den Kunden des Werkzeugmaschinenbaus auf der Messe immer wieder zu hören bekam, ist an den modernen Maschinen "viel zu viel dran". Selbst wenn wunderbar ausgetüftelte Steuerungen und Getriebe die Störanfälligkeit bis auf ein Minimum herabdrücken, ist damit noch kein Optimum im Kosten Verhältnis zu erzielen: weil. desgleichen die Maschine eben zu stark verteuert, und sie damit für den Kreis der "mittleren" Interessenten keine lohnende Anschaffung mehr darstellt. Was durch die Leistungssteigerung des Mannes, der die Maschine bedient, als Plus hereinkommt, wird nur zu oft aufgezehrt durch die erhöhten Kosten der Überwachungskolonne, der nun besondere Elektro-Techniker und Hydraulik-Fachleute beigegeben werden müssen, Ein 10prozentiges Leistungsplus ist ferner dann nicht mehr attraktiv, wenn es durch ein Plus an Investitionskosten in Höhe von 20, 30 oder mehr Prozent erkauft werden muß.

Gewiß: Messen und Ausstellungen zeigen bevorzugt die modernsten "hochgezüchteten" Typen, wie denn auch zugegeben werden soll, daß solche Non-plus-ultra-Maschinen ihren (begrenzten) Markt haben – daß etwa die auf Massenfabrikation basierten großen Werke, z. B. im Automobilbau, dergleichen nicht nur brauchen, sondern auch solche kostspieligen Investitionen bezahlen können. Aber: die große Masse der "mittleren" Kunden kann eben weder das eine noch das andere; für diese Käuferschicht waren die gezeigten. Maschinen größtenteils zu universell. Dafür ist es nun aber schwierig, eine billige, robuste und einfache Drehbank zu finden – und das, obwohl einerseits die Universalität bis zum Extrem getrieben war, auf der andern Seite nun wieder die Ein-Zweck-Maschine (die z. B. ganze Zylinderblöcke in einem Arbeitsgang fertigstellt) dominiert. Eine fühlbare Lücke besteht für Bau-Elemente, aus denen sich ein Werk, das nur kleinere Serien herstellt, schnell eine Mehrzweck- oder Allzweck-Maschine für den eigenen speziellen Bedarf bauen kann. Von zahlreichen Angeboten, die sich hier als Helfer empfahlen, befriedigte schließlich doch keines so recht.

Also kann man wohl zusammenfassend sagen: es gab viele Neuerungen zu sehen, und mancherlei ganz moderne Verfahren, dabei auch unnötige und überflüssige Dinge; trotz der Vielfalt des Angebots aber blieb manches ungelöste Problem gerade da, wo eine weitere Hilfe für den bevorstehenden verschärften Konkurrenzkampf besonders erwünscht sein könnte. So muß immer wieder nachdrücklichst gefordert werden: keine übertriebene Spezialisierung und keine Verteuerung durch "überzüchtete" Typen da, wo die eingehe und billige Lösung vollauf genügt!

Die Anfragetätigkeit war dabei so rege, daß jetzt der entscheidende Anstoß gegeben sein dirfte, in verhältnismäßig kurzer Zeit das an Abschlüssen nachzuholen, was im Laufe der letzten vier Monate an Abschlüssen ausgefallen ist Auf längere Sicht gesehen aber sollten unsere Konstrukteure das Folgende beherzigen: nicht das größtmögliche Maß an technischer Perfektion, sondern das, was bei einem bestimmten Investitionspreis an Leistung herauszuholen ist, gibt letzten Endes das wirtschaftliche Urteil ab, das über eine neue Maschine von der Praxis her gefällt wird. Htner.