Die Idee der monarchischen Staatsform befindet sich in einer permanenten Krise. Ein Königsthron nach dem anderen gerät ins Wanken, um schließlich vom Strudel politischer Erschütterungen verschlungen zu werden. Die Anonymität des Exils scheint das unausweichliche Schicksal moderner Könige zu sein. Dennoch sind die Herrscherhäuser einzelner Staaten unberührt von allen Schwankungen der Zeit geblieben. In Europa sind es neben Großbritannien vornehmlich die skandinavischen Staaten, in denen Krone und Volk zu einer festen, unerschütterlichen Einheit verwachsen sind.

In Dänemark wurde die Öffentlichkeit seit langem von keiner Frage so bewegt, wie augenblicklich von der, ob mit der beabsichtigten Reform des Verfassungsgesetzes auch die Erbrechtsklausel des Thronfolgegesetzes von 1853 geändert werden soll, so daß sich der Thron nicht nur in männlicher, sondern auch in weiblicher Linie vererben kann. Das englische Beispiel scheint Schule zu machen und bei des sonst rivalisierenden Parteien in dieser Frage merkwürdigerweise Einigkeit zu bestehen: Auch eine Frau soll künftig in Dänemark den Thron besteigen können.

Der allgemeine Wunsch nach Änderung des Erbrechtes des dänischen Königshauses erklärt sich aus dem Umstand, daß dem jetzigen Königspaar, dem 52jährigen Friedrich und seiner Gemahlin, der 42jährigen schwedischen Prinzessin Ingrid, drei Töchter geboren wurden, aber kein Sohn. Da es wenig wahrscheinlich ist, daß sich noch ein Thronfolger einstellen wird, so würde nach dem geltenden Recht der Bruder des Königs, Prinz Knud, beziehungsweise dessen Sohn Ingolf, einmal das Thronerbe antreten. Eine der beredtesten Anwältinnen dafür, das Erbrecht auf das älteste Kind des Königs ohne Rücksicht auf dessen Geschlecht zu übertragen, ist der dänische weibliche Justizminister Helga Petersen, die die Thronfolgefrage mit dem Kampf um die volle Gleichberechtigung der Frau verquickt. Unberührt vom Für und Wider der öffentlichen Diskussion bleibt nur die 12jährige Prinzessin und eventuelle Thronfolgerin Margrethe, die nicht ahnt, welche harten Nüsse sie den um die Zukunft des Landes besorgten Volksvertretern zu knacken aufgibt.

Der in allen Volksschichten zum Ausdruck kommende Wunsch nach Änderung des Erbfolgegesetzes ist ein Zeichen für die große Popularität des dänischen Königspaares. König Friedrich, Königin Ingrid und ihre Kinder sind der Inbegriff einer glücklichen und harmonischen Familie. Das zärtliche Verhältnis des königlichen Vaters, der in seinem äußeren Auftreten Schlichtheit mit weltmännischer Liebenswürdigkeit verbindet, zu seinen drei Töchtern Margrethe, Benedikte und Anne-Marie ist sprichwörtlich. Prinzessin Margrethe aber, die die beneidenswerte Unbekümmertheit ihrer 12 Jahre zeigt, hat noch keine Vorstellungen davon, welche Aufgaben ihrer einmal harren. Bei einer Schulvorstellung von Andersens Märchen vom Schweinehirten, bei der Margrethe kürzlich die Rolle der Prinzessin zugedacht war, wollte sie davon nichts wissen. Ihr sagte die Rolle des Schweinehirten bedeutend mehr zu. Margrethe genießt auf ausdrücklichen Wunsch des Königspaares keinerlei königliche Vorrechte. Sie besucht mit anderen Kindern zusammen die Nathalie-Schule und fährt tagtäglich wie ihre Klassenkameradinnen auch mit dem Fahrrad zum Unterricht. Margrethe scheint einen besonderen Hang zur Musik von ihrem Vater geerbt zu haben, der oft selbst an der Spitze des dänischen Hoforchesters stand. Engdahl Thygesen