Vergangenen Sonnabend ist Herr Dr. Knolle aus der Leninstraße nach Afrika hinübergefahren, und ich möchte einmal wissen, was da eigentlich los ist. Denn so wie ich den Herrn Dr. Knolle kenne, wird er sich eher mit einem Handtuch an einen Laternenpfahl festbinden lassen, als irgendwo hinreisen, wo nichts los ist.

Im August letzten Jahres war er in Venedig, es kann auch September gewesen sein. Jedenfalls führte man ihm dort Filmfestspiele vor. Gut, das mag noch angehen, obwohl sich dagegen einwenden ließe, daß sich in der Lehmstraße ein vortreffliches Kino befindet. Im Frühjahr reist er nach Spanien – an der Spitze einer neuen teutonischen Völkerwanderung. In Spanien kostet ein Liter glutroter Wein ganze vier Pfennige; so ist auch diese Reise verständlich. Und vor vier Wochen war Herr Dr. Knolle in Kalifornien. Da war Erdbeben. Aber jetzt, wie gesagt, ist Herr Dr. Knolle aus der Lehmstraße nach Afrika gereist, und ich möchte wissen, was dort los sein soll.

Deshalb habe ich mich am Dienstagvormittag sogar mit einem großen, blonden Menschen zusammengesetzt, einem Travel-expert, der noch aus dem Kopf weiß, mit welchen Schiffahrtslinien nach dem ersten Weltkriege die ersten Deutschen gen Afrika fuhren. Das war im Jahre 22, und die Reisenden waren Missionare und Ingenieure.

Ich erzählte ihm von Herrn Dr. Knolle und von den Gedanken, die ich mir machte. Tja, sagte er, augenblicklich möchten sehr viele Personen aus Deutschland nach dem schwarzen Erdteil reisen. Die Schiffspassagen sind sogar beinahe ein Jahr im voraus ausverkauft. Nun, erwiderte ich, ich könne ja verstehen, daß jedermann nach diesem Sommer von der Norddeutschen Tiefebene nachgerade die Nase voll habe, aber warum es denn gerade Afrika sein müsse?

Afrika sei ein sehr großes Land... begann er, und Sie müssen schon sagen, welche Gegend Sie meinen. Na, so groß ist Afrika nun auch wiederum nicht, sagte ich. Eben habe ich mir nämlich daraufhin einmal den Globus angesehen. Einmal quer durch Afrika von links nach rechts, auf der Höhe des Steinbock-Wendekreises, ist genau so lang wie die Strecke Hamburg–Moskau. Und diese Strecke bin ich schon einmal zu Fuß gegangen, mit Gepäck sogar – allerdings in umgekehrter Richtung.

Freilich, meinte der Travel-expert, das mag schon sein, aber jede Gegend in Afrika habe ihre Besonderheiten. Früher seien also reiche Kaufleute zur Saison, die dort von Dezember bis März vorgeschrieben ist, nach Ägypten gefahren. Dort haben sie dann die große Niltour gemacht, bis zum ersten Katarakt. Aber die Ägypter haben sich ja neuerdings alle Mühe gegeben, die Touristen fern zu halten. Es fahren heute nur noch Kaufleute nach Ägypten, geschäftlich. Der Travelexpert machte ein unendlich trauriges Gesicht. Entsetzlich, seufzte ich, geschäftlich nach Ägypten.

Aber die Jagd, rief er plötzlich aus und hob den Kopf. Früher fuhren sehr viele Großwildjäger nach Afrika. Vor ein paar Wochen ist erst der Großherzog von Mecklenburg nach Transvaal gefahren, als Gast der Deutschen Afrika Linie. Aber der alte Herr wird kaum noch jagen können. Dabei war er einer der berühmtesten Großwildjäger. Die Deutschen, die heutzutage nach Transvaal fahren, sind Kaufleute und sie fahren geschäftlich...