Ohne Zweifel war die Muster- und Verkaufsmesse in Agram eine gelungene Demonstration des wirtschaftlichen Fortschritts Jugoslawiens; sie dokumentierte durchaus die günstige Entwicklung des Landes nach seiner Abwendung von sowjetischer Abhängigkeit. Es muß auch anerkannt werden, daß die in Agram vertretenen rund 100 deutschen Aussteller mit einem Anteil von 37 v. H. des Verkaufsergebnisses an der Spitze liegen, während die Briten, obwohl sie die größte Auslandsgruppe stellten, mit 12 v. H. bescheiden an letzter Stelle rangieren. Dazwischen liegen die Italiener und Österreicher.

Leider steht aber schon heute fest, daß ein sehr großer Teil der Messeaufträge, die Jugoslawien in Westdeutschland, Italien, Österreich und Engand gegeben hat, dem soeben erlassenen Einfuhrtopp zum Opfer fallen wird, den Belgrad zum Schutz seiner Zahlungsbilanz für zunächst sechs Monate erlassen hat. Die Verbotsliste enthält Kraftwagen, Fahrräder, chemische Präparate, Elektromaterial, Werkzeuge, Haushaltsgeräte, Toiletteartikel und Spielwaren, also in der Hauptsache die Waren, die Deutschland seinem ugoslawischen Handelspartner liefern möchte, Vom Bundeswirtschaftsministerium wurde den deutschen Exporteuren bei der Hereinnahme neuer Aufträge bereits eine gewisse Zurückhaltung empfohlen. Man befürchtet, daß Jugoslawien als Folge der diesjährigen schlechten Ernte in Zahlungsschwierigkeiten gerät, und will offensichtlich ihre weitere Verschärfung durch deutsche Lieferungen vermeiden. Für Aufträge im Rahnen des Kreditabkommens vom 1. November 1950 bestehen dagegen keinerlei Besorgnisse.

Jugoslawien steht leider vor der Notwendigkeit, die Erzeugnisse seiner eigenen Wirtschaft for den erheblich billigeren Importwaren zu schützen. Hier sprechen Preisbestimmungen mit, die sich aus der allgemeinen Struktur der jugoslawischen Wirtschaft ergeben und zu dem System führten, importierte Erzeugnisse mit zwei- bis sechsfachen Aufschlägen auf den Markt zu bringen. Ehe Jugoslawien dieses unglückliche Prinzip der "Akkumulation" nicht verläßt, werden die Absatzschwierigkeiten für Auslandserzeugnisse sich nicht beheben lassen. Schon aus diesem Grunde mußte Agram alle ausländischen Aussteller enttäuschen... ww.