Fremd steht das "Denkmal der Verbündung" auf dem linken Ufer der träge dahinfließenden Elbe bei Torgau. Fünf massige Stufen, auf denen sich vier korinthische Säulen erheben, darauf ein Sarkophag, der von drapierten Flaggen begraben wird – nach Westen gerichtet ein Sowjetstern, unter dem man lesen kann: "Hier an der Elbe vereinigten sich am 25. April 1945 das Heer der 1. ukrainischen Front der Roten Armee mit dem amerikanischen Heer." Hier fror der Händedruck ein, den der US-Generalmajor Reinhardt vor sieben Jahren mit einem Sowjetgeneral tauschte. In der nahen Kirche St. Marien liegt Katharina von Bora begraben, die Frau Martin Luthers. Sechs Jahre nach seinem Tode floh Katharina vor der Pest, die in Wittenberg ausgebrochen war, aber auf der Flucht verunglückte sie. Vierhundert Jahre später wird im Torgauer Hafen Wolle aus Rotchina gelöscht und die Stadt ist eine Kreisstadt des Leipziger Bezirkssowjets geworden. Die Menschen, die hier wohnen, sind gezeichnet von der Gefangenschaft, in der sie leben müssen, aber sie besitzen noch immer jenes Gefühl verantwortungsbewußter Tradition. So betrachten sie das "Denkmal der Verbündung" mit immer mehr schwindender Hoffnung, die lutherische Vergangenheit aber als Verpflichtung, sich ihrer Kraft – jener des Protestes gegen eine fremde Welt – bewußt zu bleiben... Ch. W.