Bevor noch ihre westdeutschen Mutterbanken eine Rechtsform hatten und Jahresrechnungen vorlegen konnten, hatten die Westberliner Nachfolgeinstitute der Großbanken bereits für drei Geschäftsabschnitte die Abschlüsse veröffentlicht. Sie mußten als Anlaufjahre dividendenlos bleiben. Im laufenden Jahr sind nun aber auch die Berliner Institute aus dem Aufbaustadium heraus in das normale Geschäft gelangt.

Die Überwindung der Anlaufperiode ergibt sich in den Bilanzen u. a. daraus, daß die Einlagen der drei Nachfolgeinstitute der ehemaligen Filialbanken in den ersten acht Monaten 1952 nur noch um 7,2 v. H. zugenommen haben gegen 79,4 v. H. in der gleichen Vorjahrszeit. Die Einlagenspritze, die sie in den beiden Vorjahren mit der Uraltkontenaufwertung erhalten hatten, ist nach Beendigung dieses Prozesses fortgefallen. Eine schwere Bürde hat die Aufwertung in den Ausgleichsforderungen hinterlassen. Diese machen bei den Westberliner Banken (einschließlich Berliner Bank AG) immer noch 27,1 v. H., bei den westdeutschen Kreditbanken aber nur 12,8 v. H. der Einlagen aus. Die Verwertungsmöglichkeiten bei der Berliner Zentralbank (BZB) sind begrenzt. Zur Refinanzierung von Betriebsmittelkrediten werden sie zwar in Zahlung genommen. Tatsächlich hat jedoch die BZB ihre Bestände an Ausgleichsforderungen seit Jahresanfang von 200 auf weniger als 150 Mill. DM durch Weiterverkäufe an öffentliche Stellen per Saldo abbauen können. Wenn bei verknappter Geldlage dieser Stellen auch ein Rückfluß möglich ist, so ist die BZB zunächst einmal diese "Schwarzen Peter" losgeworden. Die BZB konnte dafür die höher rentierenden Wechsel als Anlagen hereinnehmen, welche ihr die Geschäftsbanken zum Rediskont geben müssen, weil sie selbst durch nicht verwertbare Eigenbestände an Ausgleichsforderungen gehandicapt sind. Während die Geschäftsbanken um ihre Rentabilität ringen, vermochte die BZB für 1951 neben der gesetzlichen Dividende von 4 v. H, weitere 24,01 v. H., zusammen also 28,01 v. H., an ihren Alleinaktionär, den Berliner Senat, auszuschütten.

Hinweise auf ähnliche Verhältnisse in den Bundesländern erscheinen kaum angebracht für Berlin, wo nach wiederholten Äußerungen des Bundeswirtschaftsministers mit anderen Maßstäben und anderen Methoden gearbeitet werden muß. Obendrein müssen sich die Berliner Banken gerade wegen der angespannten Wirtschaftslage Berlins mit einer niedrigeren Zinsspanne begnügen als die westdeutschen Kreditinstitute. Sicherlich wird das Kreditgeschäft, dessen Umfang in den ersten acht Monaten um etwa 16 v. H. gewachsen ist, zur Besserung der Ertragslage beitragen können. Andererseits haben die Berliner Banken vom Börsengeschäft erst vorwiegend die Flaute kennengelernt, da die Berliner Börse erst im März d. J., also nach dem Tendenzumschwung, wiedereröffnet wurde.

Von Verlusten dürften jedoch die Nachfolgebanken auch im laufenden Jahr verschont geblieben sein. Dennoch sollte man bei den Stellen, die Träger der Kreditpolitik in Berlin sind, bemüht sein, über den eigenen Rentabilitäts- und Liquiditätsinteressen nicht zu vergeben, daß die privaten Banken für eine erfolgreiche Arbeit noch mehr als andere Betriebe mit einer angemessenen Verzinsung der ihnen zur Verfügung gestellten Kapitalien schließlich einmal aufwarten müssen. Sa.