Die Spareinlagen sind trotz der hinter uns liegenden Reisezeit gewachsen, von den Gesellschaften liegen überwiegend günstige Abschlüsse oder Berichte vor, und die Rohstahlgewinnung hat im September einen neuen Höchststand erreicht. Trotz dieser auf eine günstige Entwicklung hindeutenden Momente sind die Käufer aus ihrer Zurückhaltung nicht herausgekommen. Die Geschäftstätigkeit hielt sich infolgedessen in sehr engen Grenzen. Daran konnten auch die gelegentlichen Rückkäufe des Berufshandels nicht viel ändern. Die Tendenz war meist uneinheitlich, und de Kurse pendelten leicht hin und her. Dabei wurde das herauskommende Material – wie üblich, in ruhigen Zeiten – erst auf ermäßigter Basis aufgenommen. Wenn auch der Ultimo längst nicht mehr die Rolle spielt, die er einstnals im Börsenleben besaß, so scheint er diesmal nicht ganz so mühelos überwunden zu sein, wie man es auf Grund der jüngsten Erfahrungen erwarten durfte. Vieles deutet darauf hin, daß das Geld wieder knapper wird. Bei vielen Gesellschaften haben die kurzfristig gegebenen Bankgelder inzwischen eine Höhe erreicht, über die man sich an dir Börse einige Gedanken macht. Diese Ruhepause dürfte dazu benutzt werden, einzelne Papiere auf den "gerechten" Kurs zu überprüfen, wobei man sicherlich dem Punkt "Bankverbindlichkeiten" bei der Beurteilung einige Beachtung schenken wird.

Mit Interesse wurde in Hamburg die kommandistische Beteiligung (1 Mill. DM) der Bayrischen Staatsbank an dem Bankhaus Werner & Frese zur Kenntnis genommen. Da das Hamburger Haus gerade im Außenhandelsgeschäft sehr aktiv ist, geht man nicht fehl in der Annahme, daß Bayern seiner Exportindustrie auf diesem Wege neue Möglichkeiten eröffnen will.

In der vergangenen Woche machte wieder einnal die G H H von sich reden. "Eingeweihte" Leute wollen neuerdings von einer 1:4-Umstellung wissen (bisher galt als Taxe 1:3,5). Wenn auch die neue Version nur wenig Anhänger fand, so diente sie dennoch als eine willkommene Anregung, die den Kurs für die GHH-Aktien über den bisherigen Höchststand von 23? v. H. hinausbrachte. Gegen Wochenschluß fiel er allerdings wieder auf 235 1/4 v. H. zurück. Alle übrigen schwerindustriellen Werte konnten sich gegenüber der Vorwoche nur knapp behaupten. Das gleiche gilt für die Kaliwerte, obgleich an den Hauptversammlungen der Wintershall AG. und Salzdetfurth AG, viel Günstiges gesagt wurde.

Auf dem I G – Farbenmarkt wirken sich die hohen Sperrmarkkurse weiter hemmend aus (für 100 Sperrmark müssen zur Zeit 15,80 bis 16,00 $ angelegt werden). Den Gerüchten über die Möglichkeit einer schlechteren Umstellung als 1:1 bei IG-Farben, die zeitweilig in Düsseldorf kursierten, wurde wenig Glauben geschenkt. Für die Zukunft der IG-Farben-Aktien sieht man trotz der Zerschlagung der alten Konzernverbindungen günstig. Der Aufgabenbereid der chemischen Industrie wächst ständig, und die einzelnen Unternehmungen des IG-Farben-Konzerns dürften ihren führenden Platz auch in ihrer neuen Form behaupten.

In Großbank -Aktien hat das Geschäft merklich nachgelassen, was natürlich zu leicht rückläufigen Kursen führen mußte. Widerstandsfähiger waren die Reichsbankanteile, deren Kurs bei 57 v. H. (Zuteilungsrechte) hg. – Maschinen- und Elektropapiere konnten sich behaupten. – Im Gegensatz zum Aktienmarkt waren die Renten anhaltend freundlich. Das geplante Altsparergesetz mit der in Aussicht genommenen Rentenaufwertung hat die Blicke der Kundschaft auf diesen bisher vernachlässigten Markt gelenkt. Bevorzugt wurden die bisher zurückgebliebenen RM Emissionen. Das sind in erster Linie die Serien der norddeutschen Institute. Durch die jetzt erfolgten Kurssteigerungen haben diese sich dem Süd- und westdeutschen Niveau angeglichen. - nd t.

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Die Stiftung als neue Unternehmensform. In einem Heft, herausgegeben im Georg Westermann Verlag, Braunschweig, gibt Staatsminister a. D. Dr. Georg Strickrodt ein Beispiel für die Gestaltung der Grundordnung unserer wirtschaftichen Unternehmen (68 S ‚ 3,50 DM).

Fünf Jahrtausende Textilgeschichte behandelt das Werk "Revolutionen im Faserreich", das Will Rinne im Tevista-Verlag, Hannover, Matthiasstr. 4, erscheinen ließ. Der Verfasser behandelt die interessante Entwicklung im viefältigen Reich der Fasern so anschaulich, daß sein Werk für den Fachmann und den Laien gleich bedeutsam ist (331 S., 12,40 DM).