Weiten Kreisen der Öffentlichkeit fehlt noch immer die Erkenntnis, daß es innerhalb der Massengruppierungen der Arbeitnehmer eine Berufsschicht gibt, die sozialpolitisch eine Sonderstellung einnimmt und damit einer gewissen Eigengesetzlichkeit unterliegt. Es sind die leitenden Angestellten. Es mag sein; daß die – vorwiegend theoretische – Schwierigkeit der Abgrenzung nach oben und unten einer solchen Erkenntnisbildung abträglich ist. Es mag auch zugegeben ^werden, daß dem leitenden Angestellten häufig selbst das Bewußtsein abgeht, einem eigenen Berufsstand anzugehören. Schließlich soll nicht verkannt werden, daß es sich bei den leitenden Angestellten nur um eine kleine Schicht handeln kann, die gegenüber den großen Gruppen der Arbeiter und Tarifangestellten nach der Dynamik der Zahl ohne Bedeutung erscheint. Diese Gesichtspunkte dürfen indessen nicht dazu führen, einer Berufsgruppe, die im Wirtschaftsleben Aufgaben von größter Tragweite zu erfüllen hat, diejenige Anerkennung zu versagen, auf die sie ihrem Gewicht und ihrer Bedeutung nach Anspruch erheben kann.

Die Funktionen des Unternehmers, vor allem in mittleren und Großbetrieben, werden heute auf allen Gebieten (kaufmännisch, technisch, sozialpolitisch) weitgehend von leitenden Angestellten wahrgenommen. Von ihrem Können, ihrer Initiative und ihrem Verantwortungsbewußtsein hängt zu einem wesentlichen Teil der wirtschaftliche Erfolg des.Unternehmens und damit auch das soziale Schicksal der übrigen Arbeitnehmer des Betriebes ab.

Es ist daher nichts anderes als ein Gebot höherer Einsicht, der Berufsschicht der leitenden Angestellten diejenigen Voraussetzungen zu schaffen, die den höchsten Leistungserfolg und damit auch den größten wirtschaftlichen und sozialen Effekt garantieren. Hierbei stehen folgende zwei Gesichtspunkte im Vordergrund:

1. Die seit 1945 zu beobachtende Nivellierung der Arbeitsbedingungen innerhalb der Arbeitnehmerschaft trifft den leitenden Angestellten besonders empfindlich. Während sich das Lohnaufkommen der Arbeiter und in deren Gefolge auch das der Tarifangestellten den erhöhten Lebenshaltungskosten anzupassen versuchte und dabei teilweise verdoppelt hat, sind die leitenden Angestellten mit ihrer Dotierung prozentual weit hinter den übrigen Arbeitnehmern zurückgeblieben. Geradezu verhängnisvoll wirkt sich in diesem Zusammenhang eine Steuerpolitik aus, die die höheren Arbeitseinkommen in einem ungewöhnlichen Ausmaß zur Lohnsteuer heranzieht und sich damit als der beste Schrittmacher auf dem Wege zur Nivellierung erweist.

Selbst unter weitgehender Berücksichtigung eines Berufsethos, unter dem gerade der leitende Angestellte seine Tätigkeit gern aufgefaßt wissen möchte, ist es auf längere Sicht gesehen unklug, dem leitenden Angestellten durch das Zusammenwirken einer ihn offensichtlich benachteiligenden Lohn- und Steuerpolitik jede Aussicht auf eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung und damit eine Verbesserung seines Lebensniveaus zu nehmen. Der leitende Angestellte, der ohne viel Aufhebens den betrieblichen Belangen stets den Vorrang vor seinen privaten Interessen einräumt, muß dafür ein selbstverständliches Äquivalent in einer wirtschaftlichen Ausstattung finden, die ihm ein auskömmliches Arbeitseinkommen sichert und ihn darüber hinaus bis zu einem gewissen Grade unabhängig von den mannigfachen Wechselfällen des Lebens macht.

2. Der leitende Angestellte kann die ihm übertragenen Funktionen nur dann unter voller Verantwortung ausüben, wenn er von Bindungen frei ist, die außerhalb seines Auftrags- und Vertrauensverhältnisses zum Arbeitgeber liegen. Dies gilt insbesondere für seine Beziehung zur Betriebsvertretung. Der leitende Angestellte – auf Grund seines Arbeitsvertrages selbst Arbeitnehmer und damit den Interessen der Belegschaft aufs engste verbunden – wird zur reibungslosen Durchführung seiner Tätigkeit schon von sich aus darauf bedacht sein, zum Betriebsrat ein persönliches Verhältnis zu gewinnen und sich in allen Fragen seines Aufgabengebiets von allgemeinerer Bedeutung mit diesem abzustimmen. Den leitenden Angestellten aber hinsichtlich seiner Dispositionsbefugnis in Abhängigkeit zur Betriebsvertretung zu bringen, würde heißen, ihn von der Verantwortung freizustellen, die seine Stellung im Unternehmen ihm zwangsläufig auferlegt, und ihn damit seiner leitenden Funktion überhaupt entkleiden.

Das gleiche muß auch für die persönliche Entwicklung des leitenden Angestellten im Unternehmen gelten, die sich ausschließlich nach seiner Leistung und der Bewertung, die diese durch den Arbeitgeber im Rahmen des Gesamtunternehmens findet, bestimmen darf. Die persönlichen Belange des leitenden Angestellten der Beeinflussung durch die Betriebsvertretung auszusetzen, würde nichts anderes bedeuten, als den leitenden Angestellten in Abhängigkeit zum jeweiligen Betriebsrat zu bringen, ein Ergebnis, das sicherlich nicht unsern bewährten allgemeinen Vorstellungen von einer verantwortlichen und kontinuierlichen Unternehmensleitung entspricht. Gerade im Zusammenlang mit dem Betriebsverfassungsrecht erscheint die Beachtung dieser Gesichtspunkte von besonderer Bedeutung.