Von unserem Korrespondenten

HPL München, Mitte Oktober

Der Sender Freies ‚Europa in München sollte richtiger "Sender Großpolen" heißen. Das ist die Meinung von Abgeordneten des Bayerischen Landtags, der sich mit einer der letzten Sendungen dieser Station beschäftigte. Anläßlich eines in Breslau veranstalteten Kongresses für die "wiedergewonnenen" Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie soll nämlich Radio Freies Europa einen Lobgesang auf die polnische Tüchtigkeit angestimmt und in der gleichen Sendung die Oder-Neiße-Linie als die "endgültige Friedensgrenze" gepriesen haben.

Landtagsabgeordneter Erich Simmel (BHE), der hierüber berichtete, vertrat die Auffassung, daß diese antideutsche Haltung eines von Amerika auf deutschem Boden unterhaltenen Senders nicht nur für die Ostvertriebenen, sondern für das ganze deutsche Volk unerträglich sei. Er fragte, welche Maßnahmen die Regierung gegenüber den amerikanischen Behörden ergriffen habe, die einerseits versichern, daß von einer Anerkennung der Oder-Neiße-Linie keine Rede sein könne, andererseits Millionen ausgeben, damit ihr Sender das Gegenteil verkünde.

Ministerpräsident Hans Ehard erwiderte, daß der Sender Freies Europa keine Organisation der amerikanischen Behörden sei. Die Bayerische Staatsregierung stehe aber auf dem Standpunkt, daß auch eine private Organisation wie Radio Freies Europa Sendungen, in denen die Polen von einer "Wiedergewinnung" der jetzt unter polnischer Verwaltung stehenden Gebiete sprechen und die jegliche Rücksichtnahme auf die Gefühle der deutschen Bevölkerung und besonders der Heimatvertriebenen vermissen lassen, unterbleiben müßten. Er habe deshalb den Amerikanischen Generalkonsul gebeten, den genauen Wortlaut der Sendung anläßlich des Breslauer Kongresses feststellen zu lassen und beabsichtigte, nach Vorlage des Textes etwa notwendig werdende Schritte zu unternehmen.