Das Publikum hat sich durch die Meldung, daß sich zwei. Bundestagsausschüsse für die Herabsetzung der Körperschaftssteuerpßicht bei unbeschränkt steuerpflichtigen, dividendenausschüttenden Kapitalgesellschaften von 60 auf 40 v. H. ausgesprochen haben, nicht aus seiner Reserve herauslocken lassen. Zwar brachte diese Nachricht in den Börsensälen eine leichte Belebung durch Vorkäufe des Berufshandels, doch als feststand, daß die Kundschaft nicht folgen wollte, trat man sofort wieder auf der Stelle. Der eng begrenzte Kreis derjenigen, die sich heute in Wertpapieren engagieren können, hat es leider oft genug erfahren, daß von einer Ausschußempfehlung bis zum Gesetz ein weiter Weg ist.

Auch die Banken, die tragenden Säulen des Börsengeschäfts halten sich mehr als sonst zurück. Durch die Aufteilung des Wertpapierbesitzes der drei Großbanken auf ihre Nachfolgeinstitute haben letztere nunmehr ein Wertpapierkonto erhalten, dessen Höhe nur wenig zur Vergrößerung reizt. In allen Fällen ist es größer als das Eigenkapital der Banken. Es wurde kürzlich schon bei dem Verkauf eines Aktienpaketes an eine Warenhausgesellschaft betont, daß es nicht Aufgabe einer Bank sein kann, Wertpapiere zu besitzen, Wichtiger ist ihre Unterbringung im Publikum. In Anbetracht dieser Lage begnügen sich die Banken im wesentlichen damit, die Kurse zu halten, was auch nicht schwierig ist, zumal sich das Angebot in einen durchaus erträglichen Rahmen hält. Größere Geldbeschaffungsverkäufe wurden bisher nicht beobachtet, obgleich die Geldverknappung (saisonbedingt durch’-das einsetzende Herbstgeschäft) wieder fühlbarer geworden ist.

Der Montanmarkt blieb ohne Anregungen. Wie man aus: Düsseldorf hörte, wollen die GHH, Hoesch und Klöckner Ende nächsten Monats ihre Eröffnungsbilanzen bekanntgeben. Allerdings ist auch dieser Termin noch nicht endgültig. Die Kurse der Eisen- und Stahlwerke gaben in der vergangenen Woche um zwei bis sechs Punkte nach. Mit Interesse wurde eine Verlautbarung des Bankvereins Westdeutschlands zur Kenntnis genommen, wonach sich auch die Minderheitsaktionäre bemühen, ihren Besitz an der Constantin-Grube an die französische Gruppe loszuschlagen, falls der Verkauf des Kruppschen Pakets zustande kommt. Dieser Wunsch ist insofern verständlich, als das Krupp-Paket zu einem Kurs aufgenommen werden, soll, der wesentlich über der augenblicklichen Kursnotierung für die Constantin-Kuxe liegt.

Im Zuge der nachgebenden Tendenz waren die IG-Farben-Aktien ebenfalls rückläufig. Sie nähern sich jetzt wieder der Pari-Grenze. Größere Umsätze wurden in Großbankaktien gemeldet, doch waren auch hier die Kurse nicht immer gehalten. In Hannover wurden zeitweise Zementpapiere lebhaft gehandelt. Die Kurse zogen dabei um mehrere Punkte an. Offenbar setzt sich bei diesem Komplex die Überzeugung durch, daß einige befriedigende Geschäftsjahre bevorstehen, die auch eine Dividendenerteilung ermöglichen werden. Gelitten haben dagegen die Kurse der Waggonfabriken. Daß Rathgeber-Waggon im Gegensatz zum Vorjahr dividendenlos bleibt und Westwaggon wieder einen -Verlustabschluß vorlegt, hat verstimmt. In Hamburg fielen vor allem zwei Werte aus dem Rahmen; Elbschloß-Aktien fielen nach Aufhören der Positionskäufe von 117 auf 107 v. H. zurück und Haller-Meurer zogen von 38 auf 47 v. H. an. Bei Haller-Meurer (eine von Dresden nach Hamburg verlagerte Gesellschaft) scheint man jetzt die hohen Anlaufschwierigkeiten überwunden zu haben.

Der Rentenmarkt stand weiterhin im Zeichen eines anhaltenden Interesses für RM-Pfandbriefe. Bei zunehmender Materialverknappung (die Institute halten mit der Ausgabe alter Serien zurück) zogen die Kurse erneut um einige Punkte an. Am stärksten konnten davon die bisher vernachlässigten norddeutschen Werte profitieren. Der Grund für die Belebung ist das kommende Altsparergesetz. –n d t.