Zum 28. Oktober hat die Industriegewerkschaft Bergbau eine Delegiertenkonferenz einberufen. Sie soll entscheiden, wie die jüngst gestellte Forderung der Gewerkschaft nach Arbeitszeitverkürzung im Steinkohlenbergbau vorwärts gebracht werden kann. Dr. Franz Grosse, der Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der IG Bergbau, erklärte dieser Tage auf einem Vortragsabend des Rhein-Ruhr-Clubs, daß die Kürzung der Arbeitszeit von 8 auf 7 1/2 Stunden beabsichtigt sei, um den früher schon einmal innegehabten Vorsprung des Bergarbeiters bezüglich der Arbeitszeit wiederherzustellen.

Die Zechenleitungen sind ebenfalls an der Wiederherstellung dieses alten Privilegs der Bergmänner interessiert. Die Frage ist nur, wann wäre der günstigste Zeitpunkt, eine solche Arbeitszeitverkürzung wieder einzuführen, ohne daß die volkswirtschaftlichen, versorgungspolitischen und ertragswirtschaftlichen Erfordernisse des Bergbaues zum Schaden der Gesamtwirtschaft belastet oder gar gestört werden. Denn darüber sollte sich jeder Beteiligte klar sein; eine in diesem Punkte zu treffende Entscheidung wird auf viele Jahre hin Gültigkeit haben müssen und Revisionsmöglichkeiten werden kaum zu finden sein.

Vielleicht darf auch darauf hingewiesen werden, daß in den Schuman-Plan-Ländern mit Ausnahme von .Holland die 48-Stunden-Woche eingeführt ist. Holland hat im Bergbau die 46-Stunden-Woche. Der deutsche Gewerkschaftsvorschlag bedeutet eine 45-Stunden-Woche. Wir halten es nicht für glücklich, wenn das Organ der IG Bergbau, "Die Bergbauindustrie", bereits jetzt von einer "sehr ernsten Situation" spricht. Davon kann doch wohl keine Rede sein. Die in vielen Fällen so gut zusammenarbeitenden Sozialpartner des Bergbaues sollten beiderseits mit Ruhe prüfen, ob es zu Beginn eines Winterhalbjahres überhaupt einen Weg gibt, den an sich berechtigten Belangen der Bergmänner zu entsprechen und dennoch zugleich sicherzustellen, daß die Produktionsentwicklung nicht umkippt. –lt.