Der im November 1951 begonnene Rückgangder Trampfrachter hat, abgesehen von einer kurzen vorübergehenden Besserung im April 1952, ununterbrochen bis Mitte August angehalten. Auch die allmähliche Rückziehung der Millionentonnage an US-Reserveschiffen, die seit Beginn des Koreakrieges aktiviert worden war, um dem damaligen Schiffsraummangel abzuhelfen, hat eine wirkliche Besserung nicht mit sich gebracht, sondern lediglich den schnellen Verfall der Raten verzögert.

Die Raten gingen nach und nach bis auf nahezu Vorkoreastand zurück, und da inzwischen eine starke Erhöhung der Betriebskosten in allen ihren Sparten: Heuern, Proviant, Ausrüstung, Reparaturkosten, Feuerung usw. eingetreten war, sahen sich die Reeder vielfach veranlaßt, ihre unwirtschaftlichen älteren Schiffe – unwirtschaftlich wegen ihrer schlechteren Vermessung und ihres höheren Kohlen- und Ölverbrauchs – aufzulegen. Das war vor allem in den USA der Fall, deren Schiffahrt wegen der besonders hohen Betriebskosten nur bei guten Frachtraten ihre Rechnung finden kann. Sodann in England, Panama und Schweden. Die US-Trampreedereien, die viel mit Schiffen arbeiten, die sie von der staatlichen Schiffahrtsbehörde auf bare-boat-Basis gechartert haben, gaben diese Schiffe in den letzten Monaten zum Teil gleichfalls zurück, weil damit trotz der billigen Zeitchariern Geld nicht mehr zu verdienen war. In verschiedenen Ländern sind schließlich auch noch einige der ältesten Schiffe an die Abwrackwerften verkauft worden. Das war auch bei uns in Deutschland der Fall, wo im übrigen außer einer Anzahl von Küstenmotorschiffen nur einige kleinere Altschiffe der Nord- und Ostseefahrt stillgelegt zu werden brauchten.

Mit den amerikanischen Reserve- und Charterschiffen, der Abwracktonnage und den in allen Ländern aufgelegten Frachtschiffen sind nach und nach etwa 5 Mill. BRT, gleich 7 1/2 bis 8 Millionen Tragfähigkeit, aus der Fahrt gezogen worden. Demgegenüber hat sich aber die Tonnagenachfrage seit Mitte August nicht unerheblich gebessert. Zunächst machte sich in der US-Getreidefahrt eine Belebung bemerkbar. Dann regte es sich in der lange Zeit stillgelegenen Australienfahrt, Abschlüsse vom Schwarzen Meer und von den türkischen Häfen kamen hinzu. Neuerdings haben auch die wegen Streikdrohung fast ganz zum Stillstand gekommenen Kohlenverschiffungen von USA wieder kräftiger eingesetzt. Selbst auf dem Zeitchartermarkt zeigt sich in den letzten Wochen wieder ein gewisses Interesse der Linienreedereien nach zusätzlicher Tonnage für regelmäßige Routen.

Die hier geschilderte Entwicklung hat zu einer mehr oder weniger kräftigen Erholung der Frachtraten auf den wichtigsten Fahrtgebieten geführt, wenn auch, wie die nachstehende Übersicht erkennen läßt, die im Januar gezahlten Raten bei weitem nicht wieder erreicht werden.

Frachtraten je lgt

im Januar / 1. Hälfte August / jetzige Rate für Getreide

Nordatlantik/Antwerpen oder Rotterdam 180 s 57 s 85 s