Zur gleichen Zeit, als Molotow und Malenkow auf dem Parteikongreß der Kommunistischen Partei in Moskau die Bedeutung der Deutschen Demokratischen Republik für die Sowjetunion hervorhoben, fanden in Ostberlin die Feiern des dritten Jahrestages des Sowjetzonenregimes statt in Anwesenheit des sowjetischen Staatspräsidenten Schwernik, des polnischen Ministerpräsidenten Cyrankiewicz, des stellvertretenden tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Fierlinger, des stellvertretenden nordkoreanischen Kriegsministers Kim Un und vieler anderer Vertreter der Ostblockstaaten. Während Schwernik in seiner Ansprache im Admiralspalast feststellte, daß die Deutsche Demokratische Republik "einen würdigen Platz in dem von der Sowjetunion geführten großen Friedenslager" eingenommen habe, betonte der polnische Ministerpräsident, daß sich das deutsche und das polnische Volk "dank der weisen Politik des großen Stalin über die Freundschafts- und Friedensgrenze an der Oder und Neiße hinweg die brüderliche Hand" reichten.

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In seiner Rede, die er zum Abschluß des Jahreskongresses der Konservativen Partei in Scarborough hielt, erklärte Ministerpräsident Winston Churchill: "Die Grundlage unserer Außenpolitik ist eine wahre und ehrenhafte Kameradschaft mit den Vereinigten Staaten in dem gemeinsamen Bestreben, die freie Welt vor der drohenden Aggression und Infiltration durch den kommunistischen Imperialismus zu schützen." Ob nun General Eisenhower oder Gouverneur Stevenson der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein werde, Amerika würde weiterhin an der Spitze der freien Nationen in ihrem Kampf gegen die kommunistische Aggression stehen. Das Festhalten an der Freundschaft mit Amerika bedeute nicht, daß die Regierungen der beiden Staaten sich stets vollkommen einig seien oder daß Großbritannien zögere, seine Ansichten vorzutragen, wenn sie von denen Amerikas abwichen. "Aber wir werden bestimmt nicht in die Falle gehen, die uns die sowjetische Regierung, ihre Freunde und Mitläufer hier oder in anderen Ländern gestellt haben."

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Generalsekretär Trygve Lie hat der Vollversammlung der Vereinten Nationen, die am 14. Oktober zu ihrer siebenten Sitzungsperiode zusammengetreten ist, seinen Jahresbericht übermittelt. Darin heißt es, daß die Spannungen in der Welt nicht nachgelassen hätten und daß die Gefahr eines dritten Weltkrieges auch in dem abgelaufenen Jahr nicht gebannt worden sei. "Vielleicht besteht heute im militärischen Sinne eine ausgeglichenere Weltsituation als früher, aber die wirtschaftlichen und sozialen Opfer dafür sind von Monat zu Monat überall gestiegen. Wir müssen von der Ungleichheit zur Gleichheit und von der Abhängigkeit zur Selbstregierung fortschreiten, sagte Lie. Diese Richtlinien begünstigen die Forderung des aus dreizehn Staaten bestehenden arabisch-asiatischen Blocks nach Behandlung der Tunis-, Marokko- und Südafrikafrage durch die Vollversammlung, für die infolge der Unterstützung der lateinamerikanischen Staaten ohne Zweifel die erforderliche Mehrheit vorhanden ist. Frankreich und England werden auf dieser Vollversammlung in allen Fragen der Kolonialpolitik einen schweren Stand haben.

Der Wahlkampf in den Vereinigten Staaten hat durch das aktive Eingreifen des Präsidenten Truman eine erhebliche Verschärfung erfahren. Truman konzentrierte seine Angriffe auf die Person des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Eisenhower. Er verfolgt ohne Zweifel die Absicht, das große Prestige, das der siegreiche Heerführer im amerikanischen Volk besitzt, zu zerstören. Seine vielen Reden, die er auf seiner vierzehntägigen Wahlreise von Küste zu Küste gehalten hat, lassen ein scharf durchdachtes und gut vorbereitetes System in dem Aufbau und dem Vortragen der Angriffe erkennen, die sich gegen den Politiker und auch gegen den Soldaten Eisenhower richten. Diese Kampfesweise findet ihre Erklärung in der Befürchtung des Präsidenten, daß sein eigener Platz in der Geschichte in diesem Wahlkampf auf dem Spiel steht. Eisenhower hat sich gegen diese massiven persönlichen Angriffe nicht mit der gleichen Intensität verteidigt. Ob Truman mit seiner Taktik dem Wahlkampf eine entscheidende Wendung zugunsten Stevensons geben kann, wird sich erst am 4. November herausstellen. E. K.