Natürlich gibt es mancherlei Sorgen, Wünsche und Forderungen, die der Beratung und Formulierung bedürfen: im übrigen aber steht die diesjährige Hauptversammlung des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft e. V. (14. bis 18. Oktober in Hamburg) im Zeichen einer im ganzen gesehen wieder erfreulichen Erfolgsbilanz, die von der Versicherungswirtschaft im Bundesgebiet für das vierte Jahr ihres wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Öffentlichkeit vorgelegt werden kann. Die volkswirtschaftliche Energie, die hinter den über 73 Mill. vorhandenen Versicherungspolicen steht, deren Prämienaufkommen Ende 1951 die Höhe von 2,67 Mrd. DM erreicht hat, weist auf die beruhigende Tatsache hin, daß der Gedanke der selbstverantwortlichen Vorsorge und Sicherung gegen die vielfältigen Risiken des Schicksals viel rascher bei uns wieder an Boden gewonnen hat, als es die Skeptiker und auch mancher Optimist nach dem Zusammenbruch des Krieges im Zeitalter des Wohlfahrtsstaates zu hoffen gewagt hatten. Allein im Bereich der Lebensversicherungen führten die Neuzugänge im Jahre 1951 gegenüber dem Vorjahr zu einem Bestandszuwachs von 13 v. H. Die Prämieneinnahmen stiegen von 792 Mill. DM 1950 auf rund 920 Mill. DM 1951 und dürften in diesem Jahre die Milliarden-Grenze überschreiten (im letzten Vorkriegsjahr 1938 betrugen die Prämieneinnahmen der Lebensversicherungen im gesamten Deutschen Reich 1,4 Mrd. RM). Die Prämieneinnahmen bei der privaten Krankenversicherung belaufen sich mit 8,4 Mill. Versicherten (um 0,4 Mill. höher als 1939) auf rund eine halbe Milliarde DM. Die Leistungen stiegen von rund 314 Mill. DM im Jahre 1949 auf 359 Mill. DM 1951 und entsprechen heute einer durchschnittlichen Tagesleistung von etwa einer Million.

Der sich in diesen Zahlen andeutenden zügigen Aufwärtsentwicklung des Versicherungsgeschäftes, die es der Versicherungswirtschaft gestattete, ihrer traditionellen Rolle als Kapitalsammler und Kreditgeber der Wirtschaft im vergangenen Jahre verstärkt gerecht zu werden, stehen auf der Passivseite jene Belastungen gegenüber, die sich aus dem Handikap der Währungsregelung (allein die Ausgleichsforderungen brachten seit der Währungsreform Zinsverluste von über 25 Mill. DM) und aus der immer noch labilen Situation unserer Wirtschaft für die Versicherungsunternehmen ergeben. Preis- und Lohnbewegungen bestimmten das Bild auch des vergangenen Jahres. Höhere Werte aber erfordern höhere Versicherungssummen und entsprechend höhere Prämien. Höheres Prämienaufkommen jedoch zeugt keineswegs immer für eine höhere Wirtschaftlichkeit. Immer neue Überlegungen mit dem Ziel rationellster Betriebswirtschaft mußten angestellt werden, um die Spannungen und Schwankungen aufzufangen und auszugleichen – für die Produktion- und handeltreibende Wirtschaft um einiges leichter als für die durch langfristige Verträge gebundene Versicherungswirtschaft. Der Schadenanfall ist allgemein gestiegen, und den höheren Ansprüchen der Versicherten auf Schaden- und Kostenersatz mußte Rechnung getragen werden. Dazu kommen jene Unwägbarkeiten, die im Rahmen der gesetzgeberischen Arbeit des Bundes auf die Versicherungswirtschaft zugekommen sind. Die Erhöhung der Versicherungspflichtgrenzen in der sozialen Kranken- und Rentenversicherung ist nicht ohne Einfluß auf die Entwicklung einiger Zweige der Individualversicherung geblieben, und im Hinblick auf die Bedingungen, unter denen die Versicherungswirtschaft zu arbeiten gezwungen ist, muß die Versicherungswirtschaft ihre völlige Herausnahme aus dem dem Bundestag vorliegenden Kartellgesetz fordern. Die Männer, die das durchzufechten haben, wissen, daß sie trotz der Argumente, die sie zur Verfügung haben, kein leichtes Spiel haben werden. kr.