Von Hugo Ahlfeld

In der Zeit vom 30. September bis 3. Oktobertagten in London der Sonderausschuß des Internationalen Zuckerrates sowie der Internationale Zuckerrat. Bei diesen Verhandlungen ging es darum, die Lage der Weltzuckerwirtschaft zu prüfen und die Möglichkeiten des Abschlusses eines neuen internationalen Zuckerabkommens zu untersuchen. Weiterhin beschäftigte man sich mit der Frage, auf welche Weise der Zuckerabsatz in der Welt durch geeignete Maßnahmen auf breiterer Basis erhöht werden könnte. Zu einem positiven Erfolg haben diese Verhandlungen noch nicht geführt. Es wurde beschlossen, daß bei der nächsten Tagung des Internationalen Zuckerrates Ende November eine Entschließung vorgelegt werden soll, in der die Vereinten Nationen gebeten werden sollen, im Frühjahr 1955 eine internationale Zuckerkonferenz einzuberufen. Damit werden die internationalen Zuckerfragen von der immerhin beschränkten Zahl der Länder, die an diesen Beratungen teilnehmen, auf die breitere Basis der Vereinten Nationen verlagert. Ob hierin ein Gewinn zu sehen ist, bleibt erst noch abzuwarten.

Inzwischen wird sich die Weltzuckerindustrie weiterhin damit beschäftigen müssen, wie der in diesem Jahr entstandene große Überschuß an Zucker auf dem freien Weltmarkt verwertet werden soll. Von dem Hauptausfuhrland Kuba sind zur Lösung dieser Frage schon eine Reihe von Maßnahmen ergriffen worden. So werden 1,750 Mill. t Zucker aus der diesjährigen Ernte zurückgestellt, die innerhalb von vier Jahren zu gleichen Teilen auf den Weltmarkt gebracht werden sollen. Weiterhin wurde ein "Single Seiler gegründet, der den alleinigen Verkauf von Kubazucker zum Export durchführt, und schließlich soll die kubanische Erzeugung 1952/53 auf 5 Mill. t beschränkt werden. Mit dieser Beschränkung der kubanischen Erzeugung sind aber keineswegs alle am Weltzuckermarkt beteiligten Kreise einverstanden. Die Opponenten hiergegen stehen auf dem Standpunkt, daß es sich in der Welt nicht um eine Überproduktion an Zucker handelt, sondern um einen Unterverbrauch, und daß bei entsprechenden Propagandamaßnahmen eine wesentliche Ausweitung des Zuckerabsatzes erreicht werden könnte. Sie begründen ihre Auffassung vor allen Dingen mit der Tatsache, daß der Kopfverbrauch in zahlreichen Ländern der Welt noch weit hinter dem Kopfverbrauch in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Kanada oder anderen führenden Zuckerverbrauchsländern zurückbleibt. Es kann daher angenommen werden, daß diese Gedankengänge dazu führen werden, eine stärkere Propaganda für den Zuckerverbrauch einzuleiten.

Auch in Deutschland sind wir von dem Stadium der Zuckerknappheit in das Stadium des Zuckerüberschusses eingetreten, so daß die zucken erarbeitende Industrie und die deutschen Hausfrauen im kommenden Jahr nicht mehr mit der Wiederholung der unerfreulichen Zustände zu rechnen brauchen; die wir auf dem Zuckergebiet in den letzten Jahren zu verzeichnen hatten. Die deutsche Zuckerwirtschaft geht in das Kampagnejahr 1952/53 mit Überschüssen von rund 295 000 t Verbrauchszucker. Die eigene Erzeugung wird voraussichtlich 900 000 t Verbrauchszucker erreichen gegen 953 970 t im Vorjahr. Der Rückgang der Zuckererzeugung ist einmal auf die um 3000 ha niedrigere Anbaufläche und weiterhin auf die für das Rübenwachstum ungünstigen Witterungsbedingungen im Sommer 1952 zurückzuführen, die, namentlich in Süddeutschland, zu einer sehr schlechten Ernte führten. Der Verbrauch im Bundesgebiet einschließlich Berlin kann 1952/53 auf 1,350 Mill. t geschätzt werden, während 1951/52 rund 1,221 Mill. t und 1950/51 etwa 1,463 Mill. t verbraucht worden sind. Der Rückgang des Verbrauchs 1951/52 um 242 144 t hat vor allen Dingen seine Ursache in der Liquidierung der in den Knappheitsjahren angesammelten Überschuß Vorräte. Bei einer Eigenerzeugung von 900 000 t und Überschußvorräten von 295 000 t brauchen also nur noch 155 000 t eingeführt zu werden, um den Bedarf für 1952/53 voll zu decken. Dieser Import macht natürlich bei der heutigen Lage auf dem Weltzuckermarkt keinerlei Schwierigkeiten. Es ist aber anzunehmen, daß die Einfuhren noch erheblich größer sein werden, da beabsichtigt ist, eine Bundesreserve an Zucker anzulegen, die dazu dienen soll, etwa unvorhergesehen auftretende Schwierigkeiten zu beseitigen. Die deutsche Zuckerversorgung kann also in jeder Beziehung als gesichert angesprochen werden.