Auf dem Gebiete des Theaters ist in jüngster Zeit als interessantestes Faktum ein Düsseldorfer Manifest zu verzeichnen, auf das die "Zeit" in ihrer vorigen Ausgabe bereits hingewiesen hat ("Thema des Tages: Theater"). Wir teilen im folgenden den Wortlaut dieses Manifestes und die Namen seiner Unterzeichner mit. – Unser westdeutscher Kulturkorrespondent macht gegen die Absichten des "Düsseldorfer Manifestes" jedoch Einwendungen geltend, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Wir werden die Diskussion fortsetzen

Das Manifest

Im Interesse des deutschsprachigen Theaters haben sich die unten aufgeführten Intendanten, Dramaturgen, Regisseure sowie Verleger und Publizisten darüber verständigt, in Zukunft einen engeren Kontakt miteinander aufzunehmen. Davon ausgehend, daß im Mittelpunkt des Theaters nichts als die unverfälschte Wiedergabe der Dichtung zu stehen hat, haben sich die Beteiligten bei völliger Wahrung ihrer persönlichen Freiheit zu einem laufenden Gedankenaustausch entschlossen, um eine gesunde, echte Tradition, die im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr geschwunden ist, zu schaffen und zu erhalten. Sie sind der Überzeugung, daß es an der Zeit ist, sich zu wehren: *

gegen unsachliche Einflüsse auf den Aufbau der Spielpläne,

gegen eine willkürliche Interpretation der Dich-

tung durch ungerechtfertigte Experimente, die

sich zwischen Werk und Zuhörer drängen.