/ Von Christian E. Lewalter

Herman Wouk: Die "Caine" war ihr Schicksal, Roman, (übertragen von Christoph Ecke, Wolfgang Krüger Verlag, Hamburg, 776 S., Leinen 17,80 DM.)

Bei Romanen, die auf See spielen, noch eigens "Kriegsbücher" zu unterscheiden, zeugt von Gedankenlosigkeit. Ist der Taifun weniger gefährlich als das U-Boot, der Eisberg harmloser als das Bombenflugzeug? Auf hoher See gibt es keine Deckungslöcher und keine rückwärtigen Linien. Der Infanterist hat im Gefecht die Möglichkeit, die Flucht zu ergreifen, Der Seemann, immer im Kampf, ist auf seinen Kahn gebannt. Er steht, ob Frieden ist oder Krieg, mit dem Tod auf vertrauten Fuß.

Nur eins ändert sich im Seekrieg: Die Besatzungen werden durch Männer ergänzt, die sonst Berufe an Land haben, und auch das als das Ungewöhnliche erleben, was für die anderen schon Alltag ist, die Naturmächte Wasser und Wind. Daraus ergibt sich eine Spannung, die bis in alle Extreme der Gruppenfeindschaft gehen kann, zwischen den "Aktiven" und den "Reservisten".

Stets aber bleibt es so, daß der Kapitän, für Schiff und Leute verantwortlich, mit einer Entscheidungsgewalt ausgestattet sein muß, die um so schwerer zur Autorität zu steigern ist, je näher die Enge des Schiffs die Männer zusammendrängt – am schwersten also auf ganz kleinen, in besonderen Aufgaben exponierten Schiffen. Da tritt das "Militärische" ganz hinter das Persönliche zurück, und die Konflikte, die ausgetragen werden, sind keine soldatischen, sondern ursprünglich menschliche Konflikte.

Herman Wouk hatte eben dies im Auge, als er die Geschichte von dem USA-Minenräumboot "Caine" erfand, auf dem während eines Taifuns der Erste Offizier dem Kommandanten das Kommando aus der Hand nimmt, weil seine sinnlosen Befehle das Schiff in Gefahr bringen. Da der Vorfall während des großen Angriffs auf die Philippinen spielt, hat für die Fabel nur äußerliche Bedeutung. Es geht dem Erzähler darum, die Konstellation der Umstände und Charaktere so präzise an einem der Wirklichkeit entsprechendem Modell aufzuweisen, daß das Versagen eines Mannes, der nicht versagen dürfte, von allen nur möglichen Seiten angeleuchtet wird. Darum das Minuziöse vieler einzelner kritischer Situationen, darum die Genauigkeit alles Nautischen und Marinetechnischen, darum die detaillierte Schilderung aller Personen – Kunstmittel, die mit photographischer Reportage nichts gemein haben, sondern sich mit der gleichen Notwendigkeit aus der konkreten Einbildungskraft des Epikers ergeben wie die Schilderung eines Zimmers bei Balzac.