Während in Berlin der Parteitag der CDU stattfand, traten in Goslar die Delegierten der Deutschen Partei zu ihrem vierten Kongreß zusammen und beschlossen eine Neufassung der Grundsätze der Partei. In der Präambel bekennt sich die DP zu einer europäischen Gemeinschaft, zur Pflicht der Verteidigung der Freiheit und zur Wiederherstellung der deutschen Einheit. Bei der Wahl des ersten Vorsitzenden wurde entgegen der Annahme der Parteiführung, daß der Bundesminister für Angelegenheiten des Bundesrates, Heinrich Hellwege, der einzige Kandidat sei, von den zum ersten Male anwesenden Landesverbänden Nordrhein-Westfalen und Hessen der Bundesverkehrsminister Hans Seebohm vorgeschlagen. Im ersten Wahlgang wurde Seebohm mit einer Stimme Mehrheit gewählt. Erst nachdem er die Wall abgelehnt hatte, wurde auf Grund eines Vermittlungsvorschlages der Bundestagsabgeordneten Evers und von Merkatz der bisherige erste Vorsitzende durch Akklamation wiedergewählt. Auch in Frankreich hielten in diesen Herbsttagen mehrere Parteien ihre Jahreskongresse ab, in denen die französische Außenpolitik eine wesentliche Rolle spielte. Während General de Gaulle gegen die Außenpolitik der Regierung Pinay Vorbehalte machte, stellte sich das nationale Komitee der Volksrepublikaner (MRP) hinter die Politik seines in der Partei in hohem Ansehen stehenden Mitgliedes Robert Schuman. Dagegen wurde auf dem Kongreß der Radikalsozialisten in Bordeaux sehr scharfe Kritik an dem Vertrag über die europäische Verteidigungsgemeinschaft geübt. Die beiden Antagonisten um die Führung in der Partei, Edouard Daladier und Edouard Herriot, waren sich in der Ablehnung dieses Vertrages einig. Herriot erklärte, einige Bestimmungen des Vertrages stünden im Widerspruch zur Verfassung Frankreichs. Er beklagte das Abseitsstehen Englands und beschwor die Vereinigten Staaten, von den Franzosen nichts zu verlangen, was den Interessen Frankreichs zuwiderlaufe. Während so "die alte Garde" der Partei sich der Idee der Europa-Armee verschloß, traten die Jüngeren unter Führung von René Mayer für sie ein. Schließlich kam es zu einer Kompromißentschließung. Da es ohne die Radikalsozialisten keine Mehrheit für den EVG-Vertrag in der Nationalversammlung gibt, wird die Regierung Pinay auf die ernsten Vorbehalte dieser Partei, die auch in dem Kompromiß zum Ausdruck kommen, gebührend Rücksicht nehmen müssen. Zu diesen Vorbehalten gehört, daß erst eine Lösung des indochinesischen Problems erzielt werden müsse, ehe Frankreich die Verpflichtungen aus dem EVG-Vertrag übernehmen könne. Dies wird aber durch die jüngsten Ereignisse auf dem indochinesischen Kriegsschauplatz nicht gerade erleichtert.

Nachdem die am 12. Oktober begonnene Winteroffensive der französischen Truppen in Indochina im Gebiet südwestlich von Hanoi bereits am ersten Tage mit einem Fehlschlag geendet hatte, da es den Vietminh-Verbänden gelang, die französischen Einkesselungsversuche zunichte zu machen, traten zwei Tage später die Truppen Ho Chi Minhs ihrerseits zu einer Offensive an der Front von Laokai bis südlich von Haiphong an. Der Hauptstoß richtete sich gegen die Stadt Nghia Lo. die nördliche Bastion des französischen Verteidigungsringes um Hanoi. Dieses Einfallstor zum Tale des Roten Flusses wurde am 17. Oktober von den Vietminh-Truppen im Sturm genommen. Wie ernst die Lage in Paris angesehen wird, geht daraus hervor, daß der französische Kriegsminister Pierre de Chervigne und der Minister für Indochina, Jean Letourneau, nach Saigon geflogen sind. E. K.