H. Th. Musper: Albrecht Dürer. (W. Kohlhammer Verlag. Stuttgart, 350 S. Text, 243 Abb., Leinen 24,– DM.)

Der Verfasser, Direktor der Württembergischen Staatsgalerie in Stuttgart, hat wesentliche Spezialforschungen auf dem Gebiet des Blockbuches und des frühen Holzschnittes veröffentlicht. Sein Buch über Dürer mag manchem zunächst als spröde, ja teilweise als eine Spezialistenarbeit für Kreise erscheinen, die die Dürer-Literatur genau kennen. Wer aber sich in den Text hineinarbeitet – und das wird jedem ernsthaften Leser nach wenigen Seiten gelingen –, der spürt sehr schnell, daß hinter der Akribie der Beschreibung, hinter der wissenschaftlichen Zurückhaltung, die oft im Detail verweilt, ein genau überlegter Zusammenhang steht, die These nämlich, daß Dürer keineswegs durch äußere Einflüsse in seinem Kern verwandelt wurde, daß vielmehr der junge Künstler bereits alle Anlagen hatte, die den Stil des reifen Mannes bestimmen. Es ist in diesem Buch besonderer Wert auf die Festlegung der Chronologie gelegt, weil Dürer uns "ähnlich wie Goethe einlädt, an einer Entwicklung teilzunehmen, die für Kunstbetrachtung überhaupt fruchtbar werden kann". So kommt der Verfasser denn zu dem interessanten Schluß, daß die Italienfahrten des Künstlers "große Glücksfälle waren und der italienische Einfluß aus seiner Entwicklung nicht wegzudenken ist", daß also die Abwendung von der faszinierenden Formwelt seiner Frühzeit bereits in diesen seinen Jugendwerken selbst angelegt war. So entsteht aus vielen Fazetten ein interessantes und einheitliches Bild des großen deutschen Malers. – Ausdrücklich sei auf die vielen hervorragenden Abbildungen hingewiesen. R.