Kaufzentralen als Symptome zunehmender Marktkonsolidierung

Rlt., Düsseldorf, im Oktober

Zentrale Verkaufsstellen, wie sie die großen Warenhaus- und Kaufhaus-Konzerne darstellen, sind in mancher Hinsicht gute Birometer, um Erfolg oder Mißerfolg einer gesamtwirtschaftlichen Entwicklung erkennen zu lassen. Die Einkaufs- und Verkaufschefs der großen Häuser kennen die Stimmung im Markt weit besser als Politiker oder Beamte der einschlägigen Ministerien. Es verlohnt sich daher immer wieder, mit solchen Stellen Fühlung zu halten und Erfahrungen auszutauschen.

Wir haben uns in diesem Sinne mit "Karstadt", mit "Kaufhof", mit "Köster" und mit "Merkur" unterhalten. Die vier Unternehmen reichen zwar nicht mehr wie früher mit ihrem Einkaufs- und Verkaufsnetz von der Maas bis an die Memel, aber doch von Trier bis Westberlin und von Flensburg bis München. Sie haben im Lauf des Sommers ihre Bilanzen und Geschäftsbeiichte für die letzten Berichtsabschnitte vorgelegt und in ihren Hauptversammlungen Erklärungen zur Gegenwartslage abgegeben.

Wir haben versucht, in Tabellen nicht nur die Entwicklungs- und Erfolgsziffern der jeweiligen Unternehmen darzulegen, sondern darüber hinaus auch die Beurteilung von Marktvergängen, von Preisen und Geschäftsentwicklung darzustellen. Es wurden zwei Groß- und zwei mittlere Betriebe gewählt, wobei jeweils der Unterschied zwischen dem Kapital der beiden mittleren wie der beiden großen prozentual in etwa gleich ist. Die Tabellen zeigen ohne Ausnahme für die vergangenen zwei Berichtsjahre eine erhebliche Belebung des Geschäftes. Sie spiegeln den Wachstumsprozeß der westdeutschen Kaufkraft wider, den Nachholbedarf, soweit er wirtschaftlich durch Kaufvorgänge auch befriedigt werden konnte. Sie zeigen weiterhin das Hineinwachsen in die Rentabilität, andererseits das Mißverhältnis zwischen Steuern und Wiederaufbau-Aufwand, ferner den steigenden Kostenfaktor "Sozialaufwand".

In den Angaben zur Umsatzsteigerung sind sowohl im Wert wie in der Menge Erhöhungen enthalten. Die Zahlen des Sozialaufwandes müssen als Mindestzahlen gewertet werden, da die Publizität bedauerlicherweise auch bei diesen Posten nicht in allen Fällen eine vollständige Erfassung des tatsächlichen Standes ermöglichte. Interessante Rückschlüsse können in Einzelfällen zwischen den Größenordnungen Umsatzsteigerung, Verkaufsflächen-Zunahme und Belegschaftszunahme gezogen werden. So ist zum Beispiel im Falle von Kaufhof zu errechnen, daß der Umsatz von 1950 auf 1951 um 40,6 v. H. gestiegen ist, die Verkaufsfläche um 21,5 v. H. (von 72 000 auf 87 500 qm), so daß sich die Verkaufsintensität der Häuser weiter verbesserte. Ergänzend zur Tabelle sei bei Kaufhof erwähnt, daß die jetzt vorhandenen 57,6 v. H. der ehemaligen Friedens-Verkaufsfläche doch ausreichten, um auf diesem verkleinerten Raum im Volumen die Friedensumsätze zu erreichen. Das scheint uns ein gutes Beispiel für innerbetriebliche Rationalisierung zu sein.

Ein Blitzlicht auf die Entwicklung der Kostenseite der Großbetriebe des Einzelhandels wirft auch ein Vergleich der Zunahme-Prozente zwischen Belegschaft und Lohnkonten. Letztere sind zum Teil erheblich stärker gestiegen als die Belegschaften. Hierin drückt sich sowohl Mehrarbeit wie vor allem auch die Lohnsteigerung und der Ausbau des Personals auf der Seite qualifizierter Einzelkräfte aus. Im Falle des Nürnberger Warenhauses Merkur heißt es zwar im Geschäftsbericht, daß sich die Lohnkosten von 1949 auf 1950 (bei erhöhter Belegschaft) um 54 v. H. erhöht haben, die in den beiden Vergleichsbilanzen ausgewiesenen Ziffern zeigen jedoch eine so geringe Differenz, daß diese Entwicklung nicht aus der Ertragsrechnung gefolgert werden kann.