Die zum 1. Oktober in Kraft getretene 10prozentige Erhöhung der Altbaumieten macht niemandem Freude – auch den Hausbesitzern nicht. Die ihnen von Vater Staat verordnete Gesundungspille ist mit allzuviel Aufregung verbunden, um bekömmlich zu sein. Der Bundesminister für Wirtschaft freilich hat erklärt, daß bei Wohnraum, der bis zum 31. März 1924 bezugfertig wurde, der Vermieter ab 1. Oktober eine Mieteerhöhung fordern darf. Was aber dann geschieht, wenn der mietende Zeit- und Hausgenosse dieser Aufforderung nicht nachkommt, steht auch jetzt noch in des Schicksals Sternen. Wie werden sich die Gerichte in den Kündigungsklagen, die sich doch mancher Michael Kohlhaas des 20. Jahrhunderts nicht entgehen lassen wird, entscheiden? Nachzahlung, Rückzahlung (weil doch erst ab nächsten Kündigungstermin fällig) oder Aufhebung des Mietverhältnisses? Man weiß es nicht, und das versteht der Staatsbürger nicht: daß der Staat eine Verordnung erläßt, deren konkreter Inhalt erst vor dem Tribunal der Rechtsgelehrten sondiert werden muß. Haben wir etwa schon zuviel Gesetze? –er.