Als beim Besuch des sowjetischen Staatsoberhauptes, Schwernik, in Ostberlin die Vopo-Einheiten zum ersten Male in ihren neuen Felduniformen paradierten, ist die Vermutung laut geworden, daß die Existenz eines "Volksheeres" nun auch bald von der Regierung in Pankow verkündet würde. Das ist nicht geschehen. Dennoch kann mit guten Gründen angenommen werden, daß die militärische Zusammenarbeit der Sowjetzonenrepublik mit der Sowjetunion einen Umfang erreicht hat, der das Bestehen kampfbereiter Vopo-Divisionen voraussetzt. Ein Anzeichen dafür ist in dem Besuch eines führenden sowjetischen Militärs in der Ostzone zu sehen, der zur gleichen Zeit wie Schwernik eintraf, aber einige Tage länger blieb. Es ist kein Geringerer als der sowjetische Generalstabschef, Armeegeneral S. M. Schtemenko. Sein Aufenthalt in Ostberlin und in der sowjetischen Zone ist keineswegs als Geheimnis behandelt worden. Zwar hat keine westliche Zeitung oder Nachrichtenagentur eine Meldung über den Besuch des hohen sowjetischen Offiziers gebracht, aber seine Anwesenheit ist in einem Bericht des Ostzonennachrichtenbüros ADN vom 10. Oktober ohne jede Geheimniskrämerei erwähnt worden. Allerdings fehlte der Titel "Generalstabschef" vor dem Namen Schtemenkos in der Liste der sowjetischen Persönlichkeiten, die Schwernik auf dem Flugplatz Schönefeld verabschiedeten. S.