Während aus Nordrhein-Westfalen und neuerdings auch aus Schleswig-Holstein die Kunde kommt, daß dort alle Entnazifizierungsakten bis auf die Spruchkammerbescheide vernichtet werden sollen, glaubt die Generaldirektion des NWDR offenbar, die Funkhäuser seien immer noch nazigefährdet. Jedenfalls begnügt sie sich nicht damit, daß bereits vor Jahren die Spruchkammern bis in die tiefste Vergangenheit der früheren Parteigenossen hineingeleuchtet haben. Vielmehr interessiert sich der Stab Dr. Grimmes heute auch für die "Mitläufer", also für all jene ehemaligen Parteigenossen, denen selbst unter höchst kritischen Betrachtungen nichts vorgeworfen werden konnte. Ein hochnotpeinliches neues Verfahren mit eidesstattlichen Erklärungen, Entscheidungen der obersten Verwaltungsstellen wird angewandt. Wie das? Es ist verständlich, daß der NWDR sich vor alten eingefleischten Parteigängern schützen will, die ihre engstirnige Auffassung auch in der Nachkriegszeit noch bewiesen haben. Aber inzwischen dürfte doch auch vom NWDR die Spreu vom Weizen zu unterscheiden sein. Im übrigen sollte sich erwiesen haben, daß solche Verfahren an sich von Übel sind. Sonst müßte man ja dafür plädieren, daß der Jagd auf ehemalige Nazi-Mitläufer eine Jagd auf frühere kommunistische Mitläufer zu folgen habe... P.