Die Entwicklung der Lebensmittel- und Rohstoffmärkte der Welt während der ersten Oktoberhälfte hat wieder einmal gezeigt, wie empfindlich die Preise infolge der großen Ernten und der Überproduktion auf so vielen Gebieten geworden sind. Von 34 verschiedenen an den Börsen notierten Waren sind in dieser Zeit 18 im Preise zurückgegangen, bei sieben sind die Notierungen unverändert geblieben und nur neun haben Preiserhöhungen aufzuweisen – meist geringeren Umfanges –, teilweise auch nur, weil sie durch Regierungsmaßnahmen gestützt werden. Die vielen neuen Preisrückgänge mahnen zweifellos zur Vorsicht und lassen die oft getadelte Zurückhaltung von Handel und Industrie bei Neuanschaffungen nur zu berechtigt erscheinen.

Die wichtigstenPreisveränderungen der Periode sind zweifellos diejenigen auf den NE. Metallmärkten, von denen besonders die stark rückläufige Bewegung auf dem nach 13jähriger Pause am 1. Oktober wiedereröffneten Londoner Blei-Terminmarkt vom internationalen Metallhandel mit größtem Interesse beobachtet wird. Gleich in den ersten Tagen nach Wiedereröffnung ist der Bleipreis dort bei verhältnismäßig großen Umsätzen auf 98£ 7s 6d je lgt zurückgegangen gegenüber einem vorherigen Abgabepreis der englischen Regierung von 131 £ je t. Seitdem hat der Preis unter ständigen Schwankungen eine weitere Abschwächung auf 87 £ 15s erfahren. Die New Yorker Bleinotierung ist inzwischen von 16 auf 15 cts und in den letzten Tagen auf 14 cts je lb ermäßigt worden, was einem Sterlingpreise von etwa 112 £ je t entspricht. Man erwartet deshalb in Kürze weitere Preisrückgänge in New York bis auf etwa die Londoner Parität + 1 1/16 cts Einfuhrzoll. – In New York hat Anfang des Monats auch eine Preisermäßigung für Zink von 14 auf 13 1/2 cts je lb stattgefunden, worauf London mit einer Herabsetzung des amtlichen Zinkpreises um 4 £ auf 118 £ je lgt gefolgt ist. Die Versorgungslage in Zink hat sich, wie die mehrfachen Preisermäßigungen seit Anfang des Jahres erkennen lassen, sowohl in USA wie in England und auf dem Kontinent stark verbessert. Die Vorräte des englischen Versorgungs-Ministeriums sind seit Anfang des Jahres bei rückläufigem Verbrauch von etwa 35 000 t auf über 124 000 t angewachsen. Vom englischen Metallhandel ist deshalb bei der Regierung beantragt worden, auch die staatliche Bewirtschaftung dieses Metalls aufzuheben und den Börsenhandel zuzulassen. – Angesichts der rückgehenden Preise für Blei und Zink hat das bisher recht lebhafte Kaufinteresse für Kupfer beträchtlich nachgelassen. Die offiziellen Preise in England und die Notierungen in USA sind aber unverändert geblieben. Mit einer Aufhebung der Bewirtschaftung ist in beiden Ländern bis auf weiteres nicht zu rechnen. – Der Londoner Zinnpreis ist im Laufe der Berichtsperiode erneut gestiegen; am 15. Oktober wurden in London 974 £ je Igt berechnet gegen 966 £ zu Anfang des Monats, Die New Yorker Notierung ist demgegenüber unverändert geblieben.

Die am 8. Oktober veröffentlichte neue amtliche Schätzung der US US-Baumwollernte, die trotz der vorherigen Nachrichten über größere Ernteschäden durch Witterung und Schädlingsbefall auf 14,4 Mill. Ballen lautet, also um 550 000 Ballen höher liegt als die September Schätzung, hat große Überraschung hervorgerufen, da man allgemein mit einem leichten Rückgang gegenüber der September Schätzung gerechnet hatte. Diese Nachrichten führten zu einer neuen Abschwächung der USA-Baumwollpreise. Für middling 15/16" wurden an der New Yorker Börse am 15. d. M. nur 37,45 cts je lb loko notiert gegen 39,35 cts Anfang des Monats. Um weitere Preisrückgänge zu verhindern, hat die Regierung die Baumwollpflanzer aufgefordert, ihre Ware nicht zu verschleudern, sondern sie beleihen zu lassen. – Noch stärker nachgegeben haben die Baumwollpreise in Alexandrien. Karnak good notierte zuletzt nur noch 67,40 Tal. je Cantar gegen 77,10 zu Beginn des Monats. Ausschlaggebend für diesen scharfen Rückgang war die hohe amtliche Schätzung des diesjährigen Ernteertrages, der amtlich auf 9,18 Mill. Kantar, privat sogar auf 10,4 Mill. berechnet wird gegen nur 7,84 Mill. Kantar im vorigen Jahr. Dazu kommen noch große unverkaufte Vorräte aus der Ernte 1951.

Wolle blieb demgegenüber auch auf den australischen und südafrikanischen Auktionen der letzten Zeit weiter fest. Im ganzen ist die Stimmung auf dem Weltmarkt aber etwas ruhiger geworden. Anscheinend sind die Vorräte bei Industrie und Handel bereits soweit aufgefüllt, daß der Zwang zu Vorratskäufen nicht mehr so dringend ist wie vorher. Englische Sachverständige sind sogar der Meinung, daß eine neue Abschwächung vor der Jahreswende durchaus möglich sei. Zur Begründung verweisen sie auf den Preiswiderstand der Endverbraucher und auf die hohen unverkauften Bestände in Südamerika. o 1.