Wir hörten – nicht:

Sieben Städte stritten sich einst, Homers Geburtsort zu sein. – heute streiten sich vier Funkhäuser, Geburtsort von Zuckmayers erstem Originalhörspiel zu werdenVon Homer weiß man angeblich nicht genau, ob er die Odyssee selbst geschrieben hat, und von Zuckmayer Also, ein Hörspiel von Carl Zuckmayer namens "Kaninchentod" sollte am 14. Oktober gemeinsam von München, Bremen und Baden-Baden gesendet werden. Es war so schön gewesen, das Hörspiel eines deutschen Dichters! Es hat nicht sollen sein (trotz 3000 DM Vorschuß), es wurde am Abend der Sendung abgesagt, und man gab verschämt bekannt: "Der Dichter mußte eine Amerikareise antreten und konnte das Manuskript nicht abschließen." Am 30. September allerdings hatten die drei Sender bereits mitgeteilt, der Dichter lege gerade "die letzte Hand an das Hörspiel..., das als erstes Originalhörspiel aus seiner Feder besonderer Beachtung sicher ist". Aber lassen wir "die letzte Hand", denn erst bei den Worten "erstes Originalhörspiel aus seiner Feder" – da liegt das Kaninchen im Pfeifer. Auch dem NWDR Hamburg hatte Zuckmayer nämlich ein erstes Originalhörspiel versprochen, und als Hamburg sich jetzt bei ihm beschwerte, kam die bemerkenswerte Antwort: Er, Zuckmayer, sei gar nicht Autor der "Kaninchen", er helfe nur seinem Freund, dem Grafen Mittrowski, der die Idee gehabt habe, beim Schreiben ... Und Hamburg nun soll im Frühjahr 1953 sein erstes Originales bekommen, die Idee allerdings behält sich Zuckmayer noch vor (oder muß man sagen: er behält sich noch vor, welchem Freund er dann beim Schreiben hilft?). Den drei Unglückssendern entzog sich Zuckmayer aufs Schiff. Und was tun sie derweil? Nun, sie harren geduldig der Heimkehr des Dichters und seiner an ihm nagenden "Kaninchen" und trösten sich dann bei der Sendung ihres "ersten Originalen" damit, daß man ja von Homerauch nicht genau weiß, ob er die Odyssee selber geschrieben hat...

Wir werden hören:

Donnerstag, 23. Oktober, 23.15 Uhr vom NWDR: "Von neuer Musik" hören wir in einer vorzüglichen Nachtprogramm-Reihe aus Hamburg. Diesmal wurde der bekannte Pariser Musickritiker Antoine Golea vors Mikrophon gebeten, um ein ebenso wichtiges wie schwieriges Thema zu erläutern: "Das totale Durchkomponieren bei Pierre Boulez und Olivier Messiaen". Und wie es sich auswirkt, wenn das Prinzip der Reihenkomposition auch auf den Rhythmus angewendet wird, das zeigen dann sehr instruktive Beispiele: Vier Konzertetuden von Messiaen und Boulez’ Zweite Klaviersonate.

20.45 im NWDR: Auch wer das alles kennt: den Unterschied von Verhältnis- und Mehrheitswahlrecht, die Aufgaben des Ältestenrates, die Technik des Hammelsprunges, auch für ihn wird die Hörfolge "Ein Weißes Haus am Rhein" noch interessant sein; denn Henri Regnier macht in ihr den parlamentarischen Alltag und die Spielregeln unserer Demokratie auf reizvolle Art lebendig.

21.30 aus Bremen: Zwei Mann und eine "Fliegende Untertasse" – das sind die "Requisiten" des utopisch-grotesken Kabaretts "Hilfe! Untertassen...!" Wer aber lieber selber Star als bloßer Zuhörer sein will, der "Mach mit!" um

20.01 im RIAS bei einem vergnüglichen Frage- und Antwortspiel.