Das Hamburger Auktionshaus Dr. Hans Rudolph veranstaltet am 30. und 31. Oktober im Hotel "Atlantic" seine fünfte internationale Kunstversteigerung. Voran wird eine Sammlung von Meißener-Höroldt-Porzelllan angeboten (Christian Friedrich Höroldt, ein geborener Berliner, starb 1779 in Meißen und gilt als der bedeutsamste Porzellanmaler seiner Zeit). Bemerkenswert ist ferner, daß die vorige Auktion der Galerie Rudolph sich diesmal auswirkt: Damals hatten Arbeiten des französischen Juweliers Faberge, der einst in Rußland wirkte, sensationelle Preise erzielt. So brachten verschiedene Sammler jetzt ihre Fabergé-Kostbarkeiten, von denen der Sohn des Meisters, der kürzlich aus Paris zu Besuch nach Hamburg kam, sagte, sie seien heute das Zehn- bis Zwanzigfache dessen wert, was sie vor fünfzig Jahren in Petersburg gekostet haben. – Die Auswahl der Gemälde ist klein geblieben. Am bedeutendsten dürften die Porträts Luthers und Melanchtons von Lucas Cranach, dem Jüngeren, sein. Hohe Schätzungen gelten für ein grandioses Blumenstilleben von Jan van Huysum und für die Plastik einer niederrheinischen Madonna. – "Der neue Haushahn" heißt ein Gemälde von Adolf Menzel, das ein Flüchtling sein einziges Besitzstück in einer großen, flachen Zigarrenkiste aus Königsberg rettete. Nun trennt er sich von dem Bild, das sein Vater Anno 1905 für 10 000 Mark erwarb. Heutiger Preis: 5000 Mark. – Dem Besucher der Auktionsvorschau fielen Bilder von Wilhelm Busch auf, die den berühmten Zeichner und Verseschmied, den großen Humoristen und tiefen Philosophen als den deutschen Frühimpressionisten erkennen lassen. Dem Maler Busch wendet sich gegenwärtig mehr und mehr das Interesse zu. J.