Hier die "Erfolgszahlen" vom vergangenen Münchner Oktoberfest: 87 000 Hühner wurden als Brathendln verspeist. Eine Million Weißwürste kamen hinzu. Aneinander gereiht hätten sie eine Kette von 150 Kilometer Länge gebildet.

"Die Weißwurscht und’s Bier rufen: Heil Kaiser Dir!", dichtete der "Simpl" vor vielen Jahren. "Mir san die Symbollen, von der Kunstmetropollen." – Aber das waren andere Zeiten! In diesem Jahre waren die Verfallserscheinungen nur allzu deutlich: 70 000 Liter Bier weniger als 1951, nämlich nur 1 875 000, oder gerade zwei Eisenbahnzüge zu je 50 Kübelwagen. Entschuldigend wurde amtlich bekanntgemacht, daß das kühlere Wetter dafür verantwortlich gewesen sei.

Hm! Ob nicht auch jenes subversive amerikanische Cola-Getränk, von dem es heißt, es sei gar keines, sondern vielmehr eine Weltanschauung, am Verderbnis der Vätersitten mitschuldig ist?

Während 1951 noch 101 männliche und 17 weibliche "Bierleichen" und drei "Kinderbierleichen" gezählt wurden, sind diese Zahlen heuer auf 86 männliche und 24 weibliche Bierleichen zurückgegangen. Und von den Münchner Kindin hatte diesmal keines übern Durst getrunken.

Die Zahl der gebratenen Ochsen – insgesamt 16 – hat sich aber gehalten, und der Stromverbrauch ist um fast 100 000 auf über 405 000 Kilowattstunden gestiegen; die Straßenbahn hat 2,3 Millionen zusätzliche Fahrgäste befördert: Gäste des Oktoberfestes.

Bei dieser Oktoberfestbilanz im Münchner Stadtrat waren sich alle Parteien einig, daß es doch wieder a Pfundsgaudi war, wenngleich anscheinend ungewöhnlich viele Maßkrüge als "Souvenirs" von den Besuchern mitgenommen wurden. Ein Stadtrat meinte hierzu, deswegen brauche man nicht die Polizei zu behelligen, denn diese Maßkrüge stellten die beste Fremdenverkehrswerbung dar.

Das sei schon richtig, sagte ein anderer, und der Fremdenverkehr sei zweifellos auf das lebhafteste zu begrüßen. Dies Wort trug ihm viel Beifall ein. "Aber" so fügte er hinzu, "wir wollen dafür Sorge tragen, daß das Oktoberfest in erster Linie ein Fest der Münchner und nicht der Fremden bleiben möge!"

Und auch damit fand er, laut amtlichem Berichte, den Beifall des ganzen Hauses. L.