Duisburg und der Niederrhein waren in ihrem Schicksal und in ihrem Wachsen vom Wasser bestimmt. Bis in die kleinsten Kanäle des gewerblichen und menschlichen Lebens reichen die Wirkungen des Stromes. Vor allem im Duisburger Bezirk ist Industrie, Handel und Gewerbe mit Hafen und Strom auf Gedeih und Verderb verbunden. Auch am Strom und in der Schiffahrt trieben stets Persönlichkeiten die Entwicklung voran. Pioniernaturen wie Franz Haniel und Matthias Stinnes waren es, die mit intuitiver Sicherheit die Grundlagen für die Entwicklung der Rheinschiffahrt legten.

Der Rhein als machtvoller Wegweiser hat nicht nur das wirtschaftliche Gesicht dieses Gebie:s geformt, er hat auch für die Menschen schlechthin richtungweisend gewirkt. Er gibt dem Schaffen eine beschwingte und bewegliche Note, er hat diesen Menschen am Strom den Zug ins Große und Ferne verliehen. Es ist nur natürlich, daß die Menschen an Rhein und Ruhr den Häfen und dem Strom in ihrem ganzen Wesen verhaftet sind. Der Rhein läßt die nicht mehr los, die sich einmal ihm mit ihrem Wirken verschrieben haben. Ob es sich, um schaffende Menschen in den am Strom angesiedelten Industrien, in Werften und Reparaturwerkstätten oder um die Fahrensleute selbst handelt. Sie alle fühlen sich mit ihrer Arbeit innerlich verbunden und mit dem wechselnden Schicksal von Strom und Hafen.

Im Duisburger Raum gruppieren sich Häfen, die Masten der Kähne und Boote, das Rasseln der Kräne und Kipper, der Geruch von Tauwerk und Teer und eine vielsprachige Schifferbevölkerung von allen Rheinuferstaaten von der Schweiz bis zur Nordsee zu einem Bild bunter Mannigfaltigkeit. Die schicksalhafte Verkehrslage, dort, wo die Ruhr zum sich breit entfaltenden Rhein stößt, hat Duisburg allmählich zum Mittel- und Hauptpunkt der ganzen Rheinschiffahrt werden lassen.

Im Bereich der Rhein-Ruhr-Häfen ist rund die Hälfte des Rheinschiffahrtsverkehrs konzentriert. Die bedeutendsten Rheinreedereien und Schiffahrtsbetriebe befinden sich im Duisburger Bereich. Unter den Schiffahrtsspeditionsfirmen finden wir viele Namen von Klang und Geltung. Nicht zuletzt haben die für den Rheinschiffahrtsverkehr maßgebenden wirtschaftlichen Organisationen Duisburg als Sitz gewählt, der Verein zur Wahrung der Rheinschiffahrtsinteressen, der in diesen Tagen auf 75 Jahre erfolgreicher Arbeit zurückblicken kann, die Verbände der Rheinreeder und Schiffahrtsspediteure, der Schifferbetriebsverband Jus et Justitia sowie die Schifferbörse,

Der Rhein war und ist die wichtigste deutsche Wasserstraße. Nicht zu Unrecht hat man den Niederrhein die Westküste Deutschlands genannt. Die Bedeutung des Duisburger Bezirks für die Schiffahrt tritt um so nachhaltiger in Erscheinung, als Duisburg zugleich der Schnittpunkt der leistungsfähigsten westdeutschen Wasserstraßen ist. Der Rhein-Herne-Kanal, der mit seinen Zechenhäfen das Industriegebiet durchzieht, beginnt in Duisburg. Der Dortmund-Ems-Kanal verbindet Duisburg mit Ostfriesland und den Nordseehäfen, der Mittellandkanal ermöglicht den ungehinderten Verkehr mit Mitteldeutschland.

Wie kaum eine andere Stadt am Rhein hat gerade Duisburg zugleich eine europäische Sendung zu erfüllen. Einmal der Strom mit seinen Ausstrahlungen nach Süddeutschland, nach der Schweiz und Österreich und zum anderen aber zu den großen holländischen und belgischen Seehafenplätzen. Am Niederrhein offenbart sich das Zusammenspiel von Fluß- und Seeschiffahrt in besonders markanter Weise. Unter die zukünftige Entwicklung des Rhein-See-Verkehrs ist zweifellos ein Schlußpunkt noch nicht zu setzen. Er trägt weitere reiche Möglichkeiten in sich. Die gute Tradition des Rhein-See-Verkehrs, die namentlich in den Häfen am Niederrhein verankert ist, sowie der Geist wägenden Wagemuts, der immer aufs neue aus dem weiten Horizont des Meeres in den Charakter der Menschen am Rhein hineinströmt, bürgen dafür, daß auch in Zukunft Rheinschiffahrt und Seeschiffahrt in untrennbarer Gemeinschaft einander verpflichtet bleiben.

Darüber hinaus hat im Duisburger Raum das organische Zusammenwirken der verschiedenen Verkehrswege und Verkehrsmittel seinen kraftvollsten Ausdruck gefunden und eine machtvolle vielseitige Produktion begünstigt. Vom gesamten innerdeutschen Verkehr auf Schiene, Straße und Strom entfällt allein auf diesen Bezirk über ein Zehntel. Diese Stadt der Arbeit mußte naturnotwendig auch zu einem Knotenpunkt des westdeutschen und europäischen Eisenbahnverkehrs heranwachsen. Bedeutende Eisenbahnlinien von europäischem Gewicht berühren Duisburg. Der Stellung der Stadt als Brennpunkt der Wirtschaft entsprechend ist auch der innerdeutsche und internationale Reiseverkehr ständig ausgestaltet worden. Triebwagen und Schienenomnibusse geben dem beruflichen und geschäftlichen Verkehr neue Impulse. Nicht minder wurde Duisburg zu einem Kreuzungspunkt des westdeutschen Straßenverkehrs. Die uralte Handelsstraße des Rheins trifft hier mit bedeutenden Straßenzügen zusammen, die einmal von Aachen und zum anderen von Dortmund her bei Duisburg auf den Rhein stoßen. Die Wiederaufnahme und Vollendung der Bauarbeiten bei der Autobahn Ruhrgebiet–Holland werden einen wesentlichen Beitrag zu einer Eingliederung der westdeutschen Autobahnen in ein gesamteuropäisches Autobahnnetz bedeuten. Aus den geographischen Gegebenheiten und der Fülle der Verkehrswege ergeben sich auch in der Zukunft für die Stadt Duisburg wirtschafts- und verkehrspolitische Aufgaben großen Stils. Dr. Erich Schwoerbel