Wenn von 140 Schulen 86 zerstört sind, wenn von 1800 Klassenräumen nur noch in 600 unterrichtet werden kann, wenn es keine ordentlichen Lehr- und Lernmittel mehr gibt, wenn die Schüler schichtweise antreten müssen, um überhaupt Platz zu finden – dann kann von einem vernünftigen Schulunterricht keine Rede mehr sein, dann erhalten 14 v. H. der Bürgerschaft (so hoch nämlich ist der Anteil der Schüler vom ABC-Schützen bis zum Primaner oder älteren Fachschüler an der Duisburger Gesamtbevölkerung) nicht das an Wissen und Erziehung, was zum Leben notwendig ist...

Das aber war die Situation des Duisburger Schulwesens im Jahre 1945 nach dem Zusammenbruch. Die Rhein-Ruhr-Stadt ist tapfer an das unlösbar scheinende Problem herangegangen, und sie hat vorerst einmal unermüdlich repariert und instand gesetzt. Nach der Währungsreform wurde überlegt geplant und systematisch gebaut. Heute, im Jahre 1952, empfangen 75 000 Schulkinder wieder ordentlichen Unterricht, wenn auch häufig so beengt, daß der volle einschichtige Unterricht in normal belegten Klassen auch 1952 noch nicht möglich ist. Um die Duisburger Schulverhältnisse so zu rangieren, daß sie den Ansprüchen eines modernen Schulwesens voll genügen, dazu bedarf es noch weiterer 25 Volksschulen, fünf Realschulen, drei Berufsschulen und einer höheren Schule. Kostenpunkt allerdings: 60 Mill. DM.

Die Stadt Duisburg hat an dem geradezu exemplarischen Neubau der Volksschule in der Innenstadt gezeigt, was sie unter einer modernen Schule versteht. Schon im Entwurf (Architekt Baurat Erich Metzler) wurde sie vom Kultusministerium als das ideale Muster einer Großstadtschule bezeichnet, aber jetzt, da dieses Haus seiner Bestimmung übergeben ist, hat es mit seiner vorbildlichen, von modernster Baugesinnung erfüllten Inneneinrichtung alle Erwartungen übertroffen. Hier ist an alles gedacht worden, was die lernende Jugend braucht, der Schulbesuch ist (beinahe) ein Vergnügen geworden. Kein Wunder, daß bei der Eröffnung und Besichtigung des Gebäudes ein älteres Semester schmunzelnd meinte: "Wenn ich früher in einer solchen Schule gewesen wäre, dann hätte ich keinen Tag geschwänzt". In der Tat; in einem solchen Hause müssen sich die Kinder wohl fühlen. In den äußerlich schlicht wirkenden Bau aus Klinkern und Glas, in die Klassen, die Flure, in das Treppenhaus strömt das Licht ungehemmt ein; die Ausstattung des Hauses ist einmalig, die noble Architektur paart sich mit feinstem Farbensinn. Der bloße Aufenthalt in diesem Bildungsinstitut muß in den Kindern das erzeugen, was man einen guten Geschmack nennt. P. Dittrich