Einen sehr guten Klang hat der Name "Duisburg durch die "Duisburger Sozialordnung" erhalten, die der Leiter der Duisburger Kupferhütte, Dr. Ernst Kuss, in seinem Betrieb durchgeführt hat. Sie beruht auf einem besonderen System, das du Belegschaft zum Mitunternehmer macht, ihren gewählten Vertreter an der Leitung des Werkes beteiligt und einen gerechten, weil nach einer objektiven Aufteilung des Betriebsergebnisses ermittelten Lohnanteil gewährleisten will.

Der Ruf nach Freiheit und Sicherheit beherrscht unser Leben. Beide Forderungen werden in einem Atemzuge genannt, obwohl sie, absolut gesehen, nichts anderes sind als die beiden Gegenpole sozialer Möglichkeiten. Gilt auch für die betriebliche Praxis die unabdingbare Alternative: Das eine oder das andere? Bedingt die Erhöhuig der sozialen Sicherheit notwendig die Aufgabe persönlicher Freiheit?

Alle Gemeinschaften wollen Sicherheit geben: Die Familie, die Gemeinde, der Staat. Dasselbe sollte auch für den Betrieb gelten, sofern er den Anspruch erhebt, selbst lebensvolle Gemeinschaft zu sein. Daß durch die Bindungen an diese notwendigen Gebilde die persönliche Freiheit und damit die menschliche Würde des einzelnen nicht zerschlagen wird, das ist die besondere Sorge unserer Zeit. Darum müßte sich dem Menschen im wirtschaftlichen und sozialen Alltag immer wieder die Frage stellen: Welches ist das richtige Verhältnis von Sicherheit und Freiheit im Betrieb?

Den Unternehmungen sind kraft Gesetzes zahlreiche Verpflichtungen zum Schutze der Arbeitnehmer auferlegt. Die Arbeitnehmer verzichten ihrerseits ebenfalls auf bestimmte Einkommensteile, um durch das System der Sozialversicherung gegen die Nachteile des Alters und gegen die Wechselfälle des Lebers gesichert zu sein. Keine Versicherung vermochte aber dem Arbeiter das Bewußtsein wirksamer Sicherung zu geben, wie es beispielsweise auch der geringste Handwerksgeselle in der Zunftordnung des Mittelalters fand. In unserem Industrie-Zeitalter kommt es darauf an, den Arbeiter wieder zum Glied einer bewußt erlebten, innerlich bejahten und festgegründeten Gemeinschaft zu erheben, einer Gemeinschaft, die von ihm getragen wird und ihn in gleicher Weise trägt. Da der Betrieb in der Vergangenheit in aller Regel dieses Gemeinschaftsgefühl nicht gegeben hat, konnte es zu all den verderblichen Erscheinungen kommen, die mit den Worten "Proletarisierung" und "Materialisierung" nur notdürftig umrissen sind.

Den Betrieb durch die Einführung einer echten Partnerschaft von Arbeit und Kapital zu einer lebendigen Leistungsgemeinschaft in Freiheit und Sicherheit zu erheben, heißt das Gebot der Zeit. Die Partnerschaft umfaßt beide Produktionsfaktoren, das Kapital und die Arbeit. Weil das eine ohne das andere nicht leben, geschweige denn arbeiten kann, deswegen müssen sich beide zu einem gemeinsamen Dienst am und im Betrieb in Freiheit und Frieden zusammenfinden. Der Betrieb trägt die Arbeit und das Kapital, ebenso wie er aus ihnen lebt. Er soll den Interessen beider Produktionsfaktoren dienen.

Ein optimaler Betriebsnutzen ist nur denkbar, wenn freie Kräfte ihr möglichstes tun. Wo die Freiheit des Kapitals oder die Freiheit der Belegschaft beschnitten wird, dort leidet der Betrieb. Die zivilisatorischen Leistungen der Vergangenheit sind undenkbar ohne die Freiheit des Kapitals. Nunmehr gilt es, dem natürlichen Freiheitsanspruch der Arbeitnehmer einen Inhalt und ein Ziel zu geben. Nur der Arbeiter, der aus freiem Entschluß sein "ja" zu dem Betriebszweck sagt, der sich aus Einsicht und Verbundenheit anstrengt und frei die Gesetze des Ganzen anerkennt, der selbst mitdenkt und mitgestaltet, nur dieser Arbeiter wird das Kapital des Betriebes zu einem höchsten Nutzeffekt führen.

Partnerschaft heißt also nicht, wie manchmal angenommen wird: Sicherheit unter gleichzeitiger Aufgabe der Freiheit; heißt nicht: Materieller Lohn für die Preisgabe der Befolgung des Willens von Organisationen. Betriebliche Partnerschaft heißt: Größtmögliche Freiheit in einer Sphäre des Vertrauens, größtmögliche Sicherheit durch eine gerechte Verteilung des Betriebsergebnisses auf beide Produktionsfaktoren und die Schaffung einer wahrhaftigen und sauberen Atmosphäre! Es mag unmöglich sein, für die gerechte Entlohnung der Arbeit und des Kapitals, d. h. für eine Entlohnung, die den beiderseitigen Leistungen am gemeinsam erarbeiteten Erfolg entspricht, objektive, mathematisch exakte Formeln zu finden, wie ja auch die Frage nach der absoluten Wahrheit (außerhalb des Raumes der religiösen Offenbarung) keine allgemein verbindliche Antwort finden kann. Das enthebt uns aber nicht der Pflicht, die Lohngerechtigkeit und Wahrhaftigkeit in der Tat anzustreben. In dem Betrieb, in dem in dieser Richtung das menschenmögliche getan wird, herrschen Frieden und Vertrauen und damit die Atmosphäre, auf der sich allein eine Gemeinschaft gründen kann.