Duisburgs besondere Bedeutung im Rahmen des Maschinenbaues nahm unser Rlt-Redakteur zum Anlaß, um einige der aktuellsten Fragen des Maschinenbaues mit dem Leiter der Auslandsabteilung, des Kranbaues und Brückenbaues bei der DEMAG, Dr. Erich Kemna, zu erörtern.

Der Maschinenbau steht seit langem im Spannungsfeld zwischen einem zurückgestauten Investitionsgüterbedarf der Grundstoffindustrien wie der Weiterverarbeitung einerseits und der seit Jahren unzureichenden Versorgung mit Eisen und Stahl andererseits. Auf die Frage, ob der deutsche Großmaschinenbau allmählich aus diesen Spannungen herauswachse und eine Normalisierung zwischen Nachfrage und Liefermöglichkeit im Inland- und Auslandgeschäft zu erwarten sei, antwortete Dr. Kemna wie folgt:

"Sie wissen, daß weite Kreise in Deutschland von einem freien Eisenmarkt eine Verbesserung der Versorgungslage erwartet haben. Leider können wir eine solche Verbesserung erst bei einigen Eisensorten feststellen. Bei anderen wichtigen Stahlsorten, vor allem bei Blech, läßt eine fühlbare Verbesserung auf sich warten. Das hängt damit zusammen, daß zwar die Preise in die Höhe gingen, aber die Voraussetzungen für einen freien Markt nicht geschaffen worden sind. Nach wie vor richten sich die Werke der eisenschaffenden Industrie nach Quoten, die sie sich für die einzelnen Verbraucher nach bestimmten Referenzperioden der Vorjahre errechnen. Damit bleiben die formal aufgehobenen Prioritäten zugunsten gewisser Beziehergruppen auch heute noch wirksam. Die Verteilung des nach wie vor zu kleinen Kuchens richtet sich noch nicht nach Angebot und Nachfrage. Ein großer Teil bleibt vorweg fest verteilt, und nur kleinere Stücke stehen für einen Großteil der Eisenverarbeiter zur Verfügung.

Wir hoffen, daß die sich langsam bessernden Produktionsziffern der eisenschaffenden Industrie zusammen mit einer Erhöhung der Importe die Versorgung allmählich sichern. Eine wirklich fühlbare Entlastung wird aber erst dann eintreten, wenn die eisenschaffenden Werke ihre von einer kurzsichtigen Besatzungspolitik demontierten Anlagen wiederaufgebaut und in Betrieb genommen haben. Infolge der anhaltenden Mangellage haben die frei gebildeten Eisenpreise bisher Kostenerhöhungen gebracht, die unsere Eisenpreise wesentlich über die Kosten wichtiger Konkurrenzländer, wie zum Beispiel England und Amerika, getrieben haben. Die Preiserhöhungen seit April dieses Jahres verursachten bereits den Verlust wichtiger Geschäfte im Ausland. Wir bei der DEMAG fertigen bekanntlich schlüsselfertige Hüttenwerke vom Hochofen an über das Stahlwerk bis zum Walzwerk einschließlich mannigfacher Nebenanlagen. Ein Verlust von Großgeschäften bedeutet auch zugleich einen Exportverlust an Serienfabrikaten, die in solchen Anlagen stehen, wie Kompressoren, Elektrozüge und anderes mehr."

Frage: Die Bank deutscher Länder stellte kürzlich fest, daß der deutsche Maschinenbau nicht nur eine wesentliche Konjunkturstütze für die gesamte Wirtschaftsentwicklung des Inlandes geworden sei, sondern dank seiner Ausfuhrentwicklung auch beträchtlich zur Bezahlung der Importbedürfnisse der Bundesrepublik und damit zur Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Bevölkerung beitrage. Können Sie schon sagen, wie sich das Ausfuhrgeschäft im allgemeinen darstellt und wie das Verhältnis im Auftragsbestand zwischen Inland- und Auslandkundschaft ist?

"Im Jahre 1952 hat der Maschinenbau seine Beschäftigtenzahl so steigern können, daß er von seiner früheren Position hinter Kohlenbergbau und Textilindustrie nunmehr mit nahezu 600 000 Beschäftigten an die erste Stelle aller Industriegruppen gerückt ist. Auch innerhalb des deutschen Exportvolumens steht der Maschinenbau mit einem Anteil von einem Fünftel des gesamten Industrieexportes an der Spitze. Zwischen der von Ihnen erwähnten Feststellung der BdL – über die Bedeutung des Maschinenbaues für die Erhaltung des Lebensstandards und den jüngsten Maßnahmen der BdL zum Ausgleich zwischenstaatlicher Handelsbilanzen besteht aber leider ein Mißverhältnis. Ich brauche nur den Namen Brasilien zu erwähnen. Während unsere großen Konkurrenzländer alles tun, um im Interesse einer besseren Lebensführung ihrer Bevölkerung den Export zu steigern und den Exportindustrien alle Förderung angedeihen lassen, werden die deutschen Exporteure über Nacht vor unerwartete Risiken gestellt, die von Einzelunternehmen überhaupt nicht getragen werden können.

Sicherlich ist zu bedauern, daß Handelspartner in großem Umfang Lizenzen für Importe aus Deutschland erteilt haben, ohne zu berücksichtigen, daß wir von ihnen nicht im gleichen Umfange Waren beziehen können, weil sie ihre Rohstoffpreise künstlich über dem Weltmarktniveau halten. Für uns als Exporteure ist es aber selbstverständlich, daß staatliche Behörden und Institutionen unseres eigenen Landes uns gegenüber die Verpflichtungen erfüllen, die sich aus den von ihnen abgeschlossenen zwischenstaatlichen Wirtschaftsverträgen ergeben. Diese Stellen sind es ja, die auch die Möglichkeit und die Verantwortung für die laufende Kontrolle des Zahlungssaldos haben und die uns daher auch die Sicherheit geben können und müssen, daß Zahlungen unserer überseeischen Kunden tatsächlich in unsere Hand kommen.