Je mehr Affinität gewisse westdeutsche Politiker der neutralistischen Linie zur sogenannten Friedenspolitik der Sowjetzone verraten, desto höhere Ansprüche stellen sie an den Liberalismus der Bundesrepublik. So hat der aus der CSU ausgeschlossene Abgeordnete Bodensteiner auf einer jener Versammlungen der Ost-West-Masochisten die Behauptung aufgestellt, die im Grundgesetz verbürgte Freiheit sei nur noch "eine Atrappe", in der Bundesrepublik herrsche infolge der wachsenden Parteidiktatur ein "Gewissensterror, der dem im Dritten Reiche in nichts nachsteht", und die Menschen hätten wieder "Angst vor Telefonüberwachung, dem Bruch des Postgeheimnisses, vor Agenten, schwarzen Listen und vor dem Bundesamt für Verfassungsschutz." Den Herrn Bodensteiner, dem es in Westdeutschland nicht freiheitlich genug zugeht, gelüstet wohl danach, einmal in der Sowjetzone auszuprobieren, wie es dort um die demokratischen Freiheiten steht, und dann etwa in Dresden oder in Magdeburg zu kritisieren, was ihm daran nicht gefallen hat. Man darf vermuten, daß er dann aus der Reihe der Kämpfer für die gesamtdeutsche Entspannungspolitik und für den Ausgleich und die Verständigung auf längere Zeit ausscheiden wird. A.