Duisburg befindet sich im siebenten Jahr des Aufbaues nach 1945, dem Jahr, das einen nie zuvor gekannten Zusammenbruch brachte. Der Aufbau unserer Stadt findet seitdem unter denkbar schwierigen Umständen statt. Das Gesamtbild des Aufbaues, daß sich trotzdem nach den harten Jahren abzeichnet, ist bemerkenswert. Viel ist geschaffen worden, mehr zumindest, als man je erhoffen konnte.

Der Aufbau unserer Stadt machte zuerst auf Grund der Privatinitiative des einzelnen in den Geschäftsgebieten erstaunliche Fortschritte. Der Wohnungsbau dagegen zeigte wenig Ansätze. Das änderte sich, als der Staat mit Hilfe von zinsverbilligten Landesmitteln den neuen Weg, den Weg des sozialen Wohnungsbaues, wies. In Duisburg wurde für den Wiederaufbau ein Spezialamt, das Wohnungsbau- und Siedlungsamt, gegründet. Dieses Amt ist mit Spezialisten besetzt, die den Aufbauwilligen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die schwierige Materie der Finanzierung, des Grundbuch- und Baurechts und der Aufbautechnik ist somit für den Baulustigen keine undurchdringbare Dschungel mehr.

Das Bild des Wiederaufbaues von Duisburg sieht in der Zwischenbilanz etwa folgendermaßen aus: Wiederherstellung beschädigter Wohnhäuser, Wiederaufbau der bis zu 60 v. H. zerstörten Wohngebäude, Wiederaufbau total zerstörter Einzelhäuser und Neubauten auf jungfräulichem Gelände. Es wurden auf diese Weise von 1948, also seit dem Währungsschnitt, bis 1952 rund 25 000 Wohnungen geschaffen.

Der Neubau von Wohnungen spielte sich bisher fast ausschließlich auf sogenanntem jungfräulichen Gelände, weit vom Stadtkern entfernt, ab. Die zusammenhängenden innenstädtischen zerstörten Wohngebiete, im Besitz von Privaten, blieben unbebaut. Hier Wandel zu schaffen und diese zerstörten Wohnviertel neu zu bebauen und zu beleben, hat sich die Stadt Duisburg zur Aufgabe gemacht. Der erste Versuch eines gemeinschaftlichen Aufbaues wurde auf der Siechenhausstraße in Hochfeld gestartet. Eigentümer, Architekten, Bauunternehmer und nicht zuletzt das Wohnungsbau- und Siedlungsamt haben in gemeinschaftlicher Arbeit sieben Häuser mit 34 Wohnungen in einem Arbeitsgang erstellt. Weitere Großbauobjekte folgten und sind geplant.

Das zweifellos interessanteste Aufbauprojekt liegt in Neudorf, sehr in Bahnhofsnähe. Das total zerstörte, 22 Morgen große Aufbaugebiet, früher stark überbaut und heute noch in den Parzellen sehr verschachtelt, ist im Besitz von rund 40 Eigentümern. Man wird das Gebiet nicht wieder in seiner alten Art aufbauen, sondern es erheblich auflockern. In Grünflächen werden Wohnhäuser in Zeilenform gesetzt. Der Mensch soll nicht mehr in einem Steinmeer wohnen, sondern sich frei und wohl fühlen. Leichte Wohnstraßen führen zu den Wohnungen und halten Verkehr und Lärm fern.

Wie wird dieses Aufbauproblem bei der Vielzahl der Eigentümer gelöst? Die Stadt erwarb im Verhandlungswege ein zusammenhängendes Gelände mit rund 7000 qm von Eigentümern, die nicht die Absicht haben, aufzubauen. Auf diesen Gelände wird, wenn man so sagen will, auf Vorrat gebaut. Die Häuser, die hier entstehen, werden nach ihrer Fertigstellung an Eigentümer abgegeben, die im Aufbaugebiet an anderer Stelle zerstörten Besitz an die Stadt übertragen. Auf diese Weise wird eine Umlegung und Zusammenlegung von Grund und Boden ohne komplizierte juristische Arbeitsvorgänge und vor allen Dingen ohne Zwang erreicht.

Wenn es gelungen ist, innerhalb von vier Monaten nach Inangriffnahme des Objekts ein Großbauvorhaben zu starten, das nach zwölf Monaten in einer Bauphase mit 172 Wohnungseinheiten als abgeschlossen gelten kann, so darf wohl gesagt werden, daß diesem neuen Wege der Wohnungsbauförderung der Erfolg nicht versagt geblieben ist. Wilhelm Tenhagen