Wir hörten

Der NWDR warb eine Woche lang für UKW, Stuttgart tat das gleiche, und Bremen wird es ebenfalls tun: es sind noch 60 Prozent der Hörer zu erobern. Hamburg warb zuweilen auf recht hübsche Art – so durch ein Hörspiel von Jörg Jürgensen, "Der Hund, der nicht nein sagen konnte"; dessen Bedeutung für UKW lag darin, daß man für das Erraten "logischer Fehler" ein UKW-Gerät gewinnen konnte... Aber es ist nicht wichtig, wie man warb, sondern wofür man die Trommel rührte. "Sie hören besser .. Sie hören mehr ... mit UKW", stand einmal auf den Prospekten des SW-Funks. Genau das ist’s. Ich erinnere mich an einen Roman, er spielte in der Jugendzeit des Rundfunks, darin sagte ein Musiker: "Die Neunte im Radio...? Das ist ein Sakrileg." Es ist manchmal auch heute noch ein Sakrileg – nämlich auf unseren schlechten Mittelwellen, die man auf etwas weiteren Strecken nur schwer und ohne Störungen fast gar nicht empfangen kann. Mit UKW hingegen sitzt man sozusagen direkt vor dem Orchester; diese Welle überträgt so rein, daß in den Funkhäusern Tonbänder nicht mehr bloß "sendefähig" (kleine Nebengeräusche können bleiben, auf MW gehören sie ja sowieso dazu), sondern auch noch "UKWfähig" geschrieben werden müssen. Und schon sind wir bei der entscheidenden Frage: was eigentlich hören wir auf UKW besser? In der NWDR-Werbewoche bemerkte der Ansager, nachdem er fünf Minuten lang Beispiele politischer UKW-Sendungen auf MW vorgeführt hatte: "Im übrigen geht’s auf UKW Nord heiter zu ..." Stets heiter? Das wäre entsetzlich. Aber Gott sei Dank ist es nicht richtig, was der Ansager bemerkte! Hamburgs UKW-Programm unterscheidet sich zweifellos vom Programm der Mittelwelle vor allem darin, daß es regional bestimmte Sendungen verbreitet – und zwar oft vorbildlich. Natürlich, es ist nur ein kleiner Schritt vom Regionalen, und dann steckt man schon im Provinziellen: ein Intendant mag auch sein UKW-Programm noch so ernst nehmen, die Mehrzahl im Funk sagt: "Ist ja doch bloß UKW", und in diesem Sinne werden hier bei allen Sendern Manuskripte durchgelassen, mit denen sich die Redakteure auf der MW genieren würden ... Insofern geht’s auf UKW tatsächlich manchmal heiter zu.

Wir werden hören:

Donnerstag, 30. Oktober, 23.15 im NWDR: "Alte Musik in neuer Sicht" läßt uns der namhafte Musikkritiker Kurt Westphal im Berliner Nachtprogramm hören. Er demonstriert die Besinnung der Modernen auf die Musikgeschichte, zeigt uns das Alte im Spiegel des Neuen. Das reizvolle Thema wird durch vorzügliche Beispiele illustriert: Strawinskys Pulcinella-Suite (1920 nach Pergolesi. komponiert) ist darunter, die Paganini-Variationen von Boris Blacher (1948) und Hindemiths Metamorphosen nach Themen von Carl Maria von Weber (1944).

20.00 aus Bremen: Wie zu jedem Monatsende: "Das Radio-Magazin: Inventur in netten Kleinigkeiten." Inventur? Die Bremer Unterhaltungsabteilung räumt vor jedem Ultimo die Schreibtische auf – nach Manuskripten, die liegenblieben, obwohl sie’s nicht verdient hatten. Schon die Idee an sich müßte prämiiert werden, aber die einzelnen Sendungen nicht minder. ...

22.30 von Bremen: "Mensch und Technik" war der Gegenstand der bedeutsamen "Darmstädter Gespräche 1952", auf denen sich Gelehrte, Künstler und Vertreter der technischen Berute über Probleme unseres Zeitalters unterhielten. Radio Bremen gibt in seiner Sendung Ausschnitte aus diesen Gesprächen wieder.

Freitag, 31. Oktober, 9.00 im NWDR: Reformationstag im Funk. Ein geistliches Konzert aus St. Jacobi in Hamburg, mit Kantaten von Bach, leitet ihn ein. Um 10.00 wird dann, ebenfalls aus Hamburg, ein Reformationsgottesdienst übertragen. Den Tag beschließt um 20.01 der RIAS mit Musik von Johann Sebastian Bach und seinen Söhnen. Sinfonias von Friedemann und Philipp Emanuel werden gespielt und eines der sechs berühmten Concerti grossi ihres Vaters, das "Brandenburgische" in D-dur.