In der alten Schifferbörse zu Duisburg, die auch ein Opfer des Krieges wurde, zog ein großes Wandgemälde "Ausfahrt in See" den Blick auf sich, das gewissermaßen die Verbundenheit des Rheins mit dem Meer und den länderverbiridenden Charakter des Stroms in einprägsamer Form zum Ausdruck brachte. Auf dem historischen Damm im Ruhrort kamen seit jeher die Schiffer von nah und fern zusammen.

Reeder und Schiffahrtsspediteure, Verfrachter und Makler, Angestellte von Firmen und nicht zuletzt die Partikulierschiffer des Rheingebiets trafen sich an der Schifferbörse, um Verfrachtungs- und Schleppgeschäfte zu besprechen und persönliche Gedanken auszutauschen. So bot sich in und vor der Schifferbörse namentlich in den Vormittagsstunden ein buntes Bild, das diesem Platz ein internationales Fluidum gab.

Nicht zuletzt war und ist es Aufgabe der Schifferbörse, das Binnenschiffahrtsrecht mit dem lebendigen Geist der Praxis zu erfüllen, das Recht mit örtlichen Gewohnheiten und Handelsbräuchen in Einklang zu bringen, bei seiner Auslegung mitzuwirken und Material für die zukünftige Gestaltung internationaler Rechtsbestimmungen zu sammeln. Sie erstattet den Gerichten fortlaufend Gutachten, die neben der Rechtsprechung eine wichtige Quelle für die Auslegung des Binnenschiffahrtsgesetzes und die Erkenntnis des Gewohnheitsrechts bilden. Darüber hinaus stellte die Schifferbörse, mitten im Getriebe der Duisburg-Ruhrorter Häfen gelegen, den wichtigsten Frachtenmarkt am Rheinstrom dar. Sie wird gleichermaßen von Reedern und Einzelschiffern, von Spediteuren und Verladern getragen und hat die vornehmliche Aufgabe, den Abschluß von Schiffsfracht- und Schleppgeschäften zu erleichtern.

Auch die neue Schifferbörse, die in ihrem ersten Bauabschnitt in diesen Tagen dem Verkehr übergeben wurde, soll zum gegenseitigen Verstehen und zur Stärkung freundnachbarlicher Beziehungen beitragen. Es ist daher besonders zu begrüßen, daß die neu gegründete Internationale Rheinschiffahrts-Vereinigung ihren Sitz in Duisburg in der neuen Schifferbörse erhält. Häfen und Schifferbörse werden damit wieder in das Blickfeld aller Bestrebungen gerückt, die zu einer Hebung der gesamten internationalen Rheinschifffahrt hindrängen. E. Sch.