Von Oberbürgermeister August Seeling

Duisburg verdankt der Natur vieles, wenn nicht alles. Rhein und Ruhr sind mit dem Werden und Wachsen dieser Stadt untrennbar verbunden. Das gilt für die früh-germanische Ansiedlung an der Ruhr, die mittelalterliche Hansestadt am Rhein, und das hat in der Gegenwart angesichts des hohen wirtschaftlichen Ranges der Rhein-Ruhr-Stadt besondere Bedeutung.

Beide Wasserstraßen formten den Charakter Duisburgs und gaben ihm das eigenwillige Gesicht. Vornehmlich der Rhein bestimmte die Entwicklung dieser Gemeinde entscheidend. Wenn das Wort vom Schicksalsstrom je einen echten Klang hatte, dann hier in der innigen Verbindung dieser Stadt zu ihrem Strom. Er war Erzeuger und Zeuge ihrer frühen wirtschaftlichen Blüte, als in den Handelshäusern innerhalb der vier Stadttore Waren aus Flandern, den Niederlanden oder aus Übersee auf den Weitertransport in das Reich warteten, während gleichzeitig am Stapeltor deutsche Erzeugnisse auf dem Wege über die Grenzen und Meere umgeschlagen wurden.

So war der Rhein schon damals für die Schiffer und Kaufleute an der Ruhrmündung zu einem Schlüssel zur Welt und zur kostensparenden Transportstraße für die Leistungen der eigenen und der benachbarten Wirtschaft geworden. Als der Strom, einer Laune der Natur folgend, die Stadt nicht mehr durchfließen wollte und sich seitwärts schlug, eroberten die zähen Duisburger ihn wieder zurück. Damit war die Geburtsstunde der Hafenstadt Duisburg angebrochen. Der Lebenswille ließ die Stadt sich an den Rhein heranarbeiten und trieb sie dazu, Häfen zu schaffen, die den Stadtkern wieder unmittelbar mit dem großen Strom verbinden. Als die Vielzahl der Hafenbecken zu beiden Seiten der Ruhr sich noch in weiterem Ausbau befanden, wuchsen an diesem kleineren Fluß, der dieser emsigen Landschaft den Namen gab, die ersten Zechentürme, Hütten und Fabriken. Das Erz kam zur Kohle, die Kohle, Stahl und Maschinen kamen in die Häfen und zum Strom. Duisburg nahm eine Schlüsselposition des Ruhrgebiets ein und bewahrte sie trotz zahlreicher Fährnisse bis heute.

Die Stadt erlebte eine stürmische Entwicklung. Sie verlor manches von der geruhsamen Atmosphäre romantischen Hafenlebens. Sie legte Industrietempo vor und sich eine nüchterne, geschäftsmäßige Miene zu und verband doch beides. So wurde aus der großen Hafenstadt auch die bedeutendste Eisenstadt Deutschlands, in welcher nicht nur vor dem Kriege die höchste Stahl- und Eisenerzeugung Deutschlands erreicht wurde, sondern schon im Vorjahre wieder über 20 v. H. des gesamten inländischen Stahles produziert werden konnten.

Diese Rolle konnte nur durch sinnvolles Planen und hartes Arbeiten eingenommen werden, und die erste Voraussetzung aller Leistungen schufen die Menschen dieser Stadt. Duisburg war zu allen Zeiten eine arbeitsame Stadt mit beharrlichen und fleißigen Bürgern. Daher versagten sie auch nicht vor dem gnadenlosen Erbe, das ihnen der Krieg hinterließ. Ungebrochen gingen sie den Trümmern zu Leibe, die 299 Luftangriffe 1945 von ihrer Stadt übrig gelassen hatten. Nur 3000 von 133 000 Wohnungen waren unversehrt geblieben. Ihre 29 Hochöfen waren kalt und Hafen und Strom durch mehr als 300 versenkte Schiffe und 65 gesprengte Brücken blockiert...

Bis heute wurden wieder mehr als 33 000 Wohnungen neugebaut, ist der überwiegende Teil der Hochöfen wieder angeblasen, führen vier Brücken wieder über den Rhein, denen die fünfte bald folgen wird und konnten wieder 10 Mill. t Güter im Hafen umgeschlagen werden.