II. Rassen, Kasten und Ausländer in Pakistan. – Erlebnisse einer Reise

Von E. Schuchl

Auf einer Studienreise nach Ostasien vor dem Kriege lernte Elisabeth Schucht Indien kennen. Vor kurzem folgte sie einer Einladung in den neuen Staat Pakistan, wo sie monatelang unter den Mohammedanern lebte, in ihre Häuser Eingang fand und viele persönliche Beziehungen anknüpfte. Ihrem Erlebnisbericht, der unter dem Titel "Unter der silbernen Sichel" demnächst im Piper und Co. Verlag, München, erscheint, entnehmen wir heute die Schilderungen des Lebens der Ausländer in Pakistan, insbesondere auch der Deutschen, und des schwierigen Problems der anglo-indischen Mischlinge.

Auf dem Flugplatz von Dharan umfängt uns der heiße Wüstenwind, und wir wandern in einen Raum mit aircondition um eine Erfrischung zu nehmen. Ein Amerikaner setzt sich an unseren Tisch. "Take a juice?", fragt er in der seinem Volke eigentümlichen gastlichen Gesinnung. Er legt die mächtigen Arme, die aus den aufgekrempelten Ärmeln des Buschhemdes ragen, auf den Tisch: "Wenn Sie wüßten, wie schwer es ist, hier auf dieser verfluchten heißen Erde auszuharren!"

"Auszuharren?"

"Ja, wir werden nur alle acht Monate abgelöst. Länger würde man es hier nicht aushalten. Die Ölgesellschaft bietet, was man in dieser Wüste bieten kann: Bars, Kinos, Klubs. Aber man muß verheiratet sein. Sonst hält man es hier-nicht aus. Aber das ist wiederum kaum möglich, weil für eine Frau das Klima erst recht so mörderisch wie die Langeweile ist."

"Sie werden aber gut bezahlt?"