Fritz von Unruh, der Goethe-Preisträger, sucht nach verlorenen Schätzen. "Wiedergutmachung des Unrechts", sagte er, als er jüngst in Bonn war. "Meine Villa", sagte er, "wurde durch Bomben zerstört." – "Wo stand die Villa?" – "Bei Rapallo." –

Wer immer diese Bomben warf: Unruh meint, seine eigenen Landsleute müßten den Schaden bezahlen. Und dann –: viel schöne Kunstwerke, darunter Bilder van Dycks, seien aus der Villa verschwunden und nie wieder aufgetaucht. – "Aber, Herr von Unruh, glauben Sie wirklich, daß es die Deutschen waren, die Ihre Bilder verschleppten?" – Unruh möchte es behaupten, aber er kann es nicht. Wahrscheinlich waren es die ... Nein, keine Namen! Keine internationalen Verdächtigungen, solange Bonn noch zahlen kann. Und dann der Schreibtisch Dantes, der, wie Unruh glaubt, in seinem Besitze war, auch er ist leider verschwunden. Wenn die van Dycks so echt waren wie dieser Schreibtisch Dantes, so wird der Schaden ja sehr hoch sein, der den Dichter Unruh traf. Und Unruh verlangt eine enorme Summe.

Bonn, bleib’ stark! Sonst verlange ich, daß du mir Goethes Automobil bezahlst, den Sechszylinder, mit dem er seine vierte Italienreise machte und den mein Urgroßvater aus der Erbmasse kaufte, der von mir dann auch noch bis zum Kriegsanfang gefahren wurde, worauf er von der Naziwehrmacht eingezogen und in einen Düsenjäger umgebaut wurde. J. M.