Jede der großen Städte des Reviers hat ihre Ehrentafel, auf der die Namen großer Männer aus Handel und Industrie, aus Politik und Kunst aufgeführt sind. Selten sind die Großen einer Stadt zugleich auch ihre Söhne. Es gehört zur Wesensart wachsender Städte und im besonderen wohl gerade auch der in den letzten hundert Jahren ungemein aufblühenden Städte des Rhein-Ruhr-Landes, daß sie wie ein magnetisches Kraftfeld weit über ihre Grenzen hinaus auf all jene Menschen gewirkt haben, denen die aufblühende Dynamik der Technik, der Sog der Industrialisierung Lebensraum und Tatenreichtum versprach.

So sind auch von den großen Männern der Stadt Duisburg nur wenige auf dem Kopf Steinpflaster oder den Asphaltstraßen dieser Stadt aufgewachsen. Wirtschaftsgeschichte und Aufstieg während der letzten hundert Jahre haben hier an der Mündung der Ruhr in den Rhein Männer wie Curtius und Matthes Friedrich Harkort, Theodor Keetmann und Grillo, Franz Haniel, Mathias Stinnes, August Thyssen, Wolfgang Reuter und Peter Klöckner in den Schlüsselpositionen gesehen. Diese Namen haben nicht nur das industrielle Gesicht dieser Stadt wesentlich bestimmt und für Generationen voraus gestaltet, sie haben zugleich der gesamten Industrieentwicklung Deutschlands Impuls und Richtung gegeben. Sie haben damit zugleich eine Tradition begründet, die ungebrochen leuchtet, die Denkmal des Erinnerns und Mahnmal für Gegenwart und Zukunft ist. Die Industrietradition dieser Namen verpflichtet in gutem Sinne. Hierin liegt der Stolz der Duisburger begründet, und hieraus hat sich diese Hafen- und Industriestadt auch nach den furchtbaren Schlägen dieses Krieges wieder die Kraft, den Mut und die Ideen des Wiederaufbaues geholt.

Wer waren diese Männer? Wir wollen sie in kurzen Zügen charakterisieren.

Als 1803 die Witwe Haniel ihrem Sohn Franz eine kleine Kohlenhandlung eröffnete, weil die väterliche Speditions- und Weinhandelsfirma zu schmal war, um die Mutter mit ihren elf Kindern zu ernähren, war der Grundstein für das später größte Unternehmen dieser Art am Rhein gelegt worden. Schon 1810 entsteht die Gutehoffnungshütte, drei kleine Eisenhütten im preußischen Herzogtum Kleve, im kurkölnischen Vest Recklinghausen und in der fürstlichen Abtei Essen, die Franz Haniel über die drei Grenzen hinweg vereinigte. Zum Kohlenhandel kamen Eisen und Stahl. Der Handelszweig der Haniels basierte auf der Schiffahrt. Auf der eigenen Schiffswerft in Ruhrort lief 1830 das erste in Deutschland erbaute Dampfschiff vom Stapel. Mit der Dampfmaschine wurde die Kohle interessant. Haniel war es, der dies für Deutschland erkannte. Trotz erheblicher – Schwierigkeiten griff er als erster im Ruhrbecken mit einem Tief Schacht in die Kohlenfelder hinein. Er wurde damit zum Entdecker großer Kohlenvorräte und hat der Rhein-Ruhr-Industrie nicht nur ein neues Land aufgetan, sondern auch die Marschrichtung gezeigt.

Mathias Stinnes war ein Mülheimer Junge, 1790 geboren, der sein Brot als Schifferknecht kärglich verdiente. Doch er legte Groschen um Groschen zurück, hatte als Achtzehnjähriger einen eigenen Kahn und verfrachtete Kohle nach Holland. Getreide und Holz waren Rückfracht. Wenige Jahre später, und Stinnes zählte 50 Schiffe. Da steigt er um und geht selbst in die Kohle, kauft Zechen und verfrachtet selbst. Der Reeder wird Bergwerkbesitzer. Um die Massengüter Kohle, Getreide, Holz schneller und billiger fahren zu können, faßt Mathias Stinnes den Plan, Schleppzüge zu bilden. Er baute 1843 den ersten Schlepper auf dem Strom. Stinnes war es, der den Strom in Deutschland zum Packesel der Industrie machte, der durch die Verbilligung des Kohlen- und des Grubenholztransportes die Kohle preislich popularisierte.

Mit August Thyssen ist der Name eines der ganz großen Männer Duisburgs und der rheinischwestfälischen Wirtschaft ausgesprochen. Thyssen stammt aus dem Aachener Land. Klein, aber gut bürgerlich ist sein Elternhaus. Der Junge ist schon in jungen Jahren besessen vom Eisen und besessen von der Idee, den Stahl dem Menschen untertänig zu machen. Mit 25 Jahren gründet er eine kleine Werkstatt für Bandeisen. Er ist es gewesen, der in Deutschland als erster die Bedeutung der Walzwerkerzeugnisse erkannte und diesen Produkten einen nachhaltigen Bedarf voraussagte. Aus einem alten Bauernhof machte er das erste Walzwerk. Wenige Jahre später entstanden vier Walzenstraßen, Stahlwerke und andere Produktionen. Kühn und wagemutig ging er heran, niemals war er Spekulant, stets prüfte er und baute Stein auf Stein. Aber sein größter Verdienst ist und bleibt, daß er das wirtschaftliche Wunder des Verbundsystems und der bis ins letzte durchdachten Ausnutzung der Wärmewirtschaft zwischen Eisen und Kohle erkannt und verwirklicht hat. Dieser geniale Mann sah die Zukunftsmöglichkeiten dieser Verbundwirtschaft genau voraus. Sie wurde bis zur alliierten Entflechtung die wirtschaftliche Grundlage der billigen Versorgung des deutschen Volkes mit Eisen und Kohle.

Wenn auch zwanzig Jahre jünger, so war Peter Klöckner, 1863 in Koblenz geboren, doch Zeitgenosse und Freund von August Thyssen. Aber welch ein Unterschied in der unternehmerischen Methode. Thyssen baute seine Riesenwerke Stein um Stein klein anfangend von unten nach oben auf. Peter Klöckner kaufte bereits fertige, aber schwach gewordene Betriebe, verlieh ihnen einen unternehmerischen Schwung, fügte sie zusammen, machte sie gesund und stark. Man hat diesen Mann den "Sanitätsrat der Ruhr" genannt, und immer war seine Hand, die am liebsten am Hochofen hantierte, glücklich. Sehr bald stand Klöckner auf Kohle, Eisen und Weiterverarbeitung. Auch Erzfelder in Lothringen gehörten ihm. Er ist nicht nur ein genialer Konzerner gewesen, sondern hat für Deutschland als einer der ersten synthetischen Stickstoff und Benzin zusammen mit Wintershall und der Gewerkschaft Viktor erzeugt. Prof. Josef Wilden nennt Klöckner in seinen Skizzen zur Geschichte des Unternehmertums den "großen Werkgestalter und Werkerhalter im Rhein-Ruhr-Lande".