Rlt., Düsseldorf, Anfang November

Mitte vergangener Woche wurde in der City Düsseldorfs, in jener Häuserzeile der Breitestraße, die das Herzstück der Stahlindustrie beherbergt, die Werftflagge der Nordseewerke Emden auf einem Neubau gehißt. Grün-weißgrün ist das Flaggentuch und die drei weltbekannten „U“ des Stahlvereins geben den Mittelpunkt. Diese Flagge ist künftig das Symbol der jüngsten Neugründung, der Rheinstahl-Union Maschinen- und Stahlbau AG., Düsseldorf. Hinter diesem Firmennamen stehen acht Töchter, die ehemaligen Maschinenbaufirmen der Vereinigten Stahlwerke AG. Sie sind nunmehr ausgegliedert und zusammengefaßt und stehen mit einem Umsatz von zusammen etwa 360 bis 380 Mill. DM und 20 000 Mann Belegschaften in der Größenordnung von MAN, DEMAG und Humboldt-Deutz.

Mit einem Kapital von 55,2 Mill. DM, was 12 v. H. des AK von 460 Mill. RM/DM des Stahlvereins bedeutet, ist eine dividendenfähige Grundlage geschaffen. Diesem AK der neuen Maschinenbau-Holding stehen in der Eröffnungsbilanz Anlagewerte der Töchter von rund 105 Mill. DM gegenüber. Im Portefeuille der Holding befinden sich 30 Mill. DM Aktien der Hannoversche Maschinenbau-AG. (Hanomag), Hannover, 18 Mill. DM Kapital der Eisenwerk Wanheim GmbH., Duisburg, 10 Mill. DM Kapital der Nordseewerke Emden GmbH., Emden, 52 v. H. von 10 Mill. DM Kapital der Bergische Stahl-Industrie KG., Remscheid, 8 Mill. DM AK der Dortmunder Union Brückenbau-AG., Dortmund, 5 Mill. DM Kapital von Wagner & Co. Werkzeugmaschinenfabrik mbH., Dortmund, 4 Mill. DM AK der Siegener Eisenbahnbedarf AG., Dreis-Tiefenbach, und 3,5 Mill. DM Kapital der Concordiahütte GmbH., Bendorf am Rhein, mithin zusammen 83,5 Mill. DM Nominalkapitalien.

Wesentlich für den Gründungsvorgang wie für die Zukunft des Unternehmens ist das stark verankerte Interesse der Rheinische Stahlwerke AG. an dieser neuen Gesellschaft. Rheinstahl hat nicht nur seinen guten Namen auf die Union übertragen, es hat sich auch mit 41 v. H. am neuen AK interessiert und stellt in Dr. Ernst von Waldthausen den AR-Vorsitzer.

Auf Grund der alliierten Befehle dürfen sich die Großaktionäre der Altkonzerne nur auf jeweils ein Nachfolgeobjekt konzentrieren. Mit 72 Mill. DM Stahlvereinsaktien ist Rheinstahl Großaktionär. Aber bei Rheinstahl liegt bereits die Arenberg-Bergbau GmbH., Essen, mit 140 Mill. EM AK als Tochter im Portefeuille. Zu Kohle darf kein Stahl, so befahlen die Alliierten weiterhin, und zu Arenberg darf auch keine weitere Kohle, da die Rheinstahl-Gruppe mit 4,9 Mill. t Kohlenförderung (1951) schon zu den größten Ruhrzechen gehört. Es blieb daher nur die Maschinenbaugruppe für Rheinstahl übrig. Unter Berücksichtigung eines Aktienumtauschverhältnisses des Stahlvereins von etwa 1:3 hat sich eine Aktienübernahme von 41 v. H. des Maschinenbau-Kapitals ergeben. Was mit dem restlichen „Überhang“ an Stahlvereinsaktien bei Rheinstahl geschehen soll, kann zur Stunde noch niemand sagen.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß die Familie Thyssen mit knapp 100 Mill. RM/DM Stahlvereinsaktien sich dahin entschieden hat, daß die Gräfin Thyssen ihren Anteil auf die Rheinische Röhrenwerke AK konzentriert und die Tochter Thyssens bei der Vereinigte Edelstahlwerke AG., Krefeld, einsteigt.

In einer Verwaltungsmitteilung zur Neuordnung heißt es: „Die ‚Inobhutnahme‘ der neuen Gesellschaft durch die Rheinischen Stahlwerke dürfte den zahlreichen Kleinaktionären die Gewähr dafür bieten, daß ihre Interessen, wie stets bei Rheinstahl, gewahrt werden. Es ist zu hoffen, daß es unter diesen Vorbedingungen der Rheinstahl-Union gelingt, einen glücklichen Start zu machen.

Die neue Verwaltung der Rheinstahl-Union wird gebildet von Eduard Beckhäuser (Wagner & Co.), Dortmund, und Dr. Wolfgang Linz (Stahlverein), Düsseldorf, als Vorstand, ferner aus Dr. Ernst von Waldthausen (Rheinstahl), Essen, als AR-Vorsitzer, Bankdirektor Hans Erkelenz (Bankverein für Westdeutschland), Düsseldorf, als stellvertretender AR-Vorsitzer, Alfons Mauser (Mauser-Werke), Köln, und Bergass. a. D. Dr. Carl-Heinz Stephan (Arenberg-Rheinstahl), Bottrop. Dieser AR wird gemäß Betriebsverfassungsgesetz noch um zwei weitere Mitglieder aus der Belegschaft erweitert.