Feldmarschall Alexander Papagos hat mit seiner „Hellenischen Sammlung“ bei den Parlamentswahlen in Griechenland einen überwältigenden Sieg davongetragen. Von den 300 Parlamentssitzen erhielt die „Sammlung“ 238. Die bisherige Koalitionsregierung Plastiras-Venizelos trat sofort zurück. Marschall Papagos wird Regierungschef. Auf dieses Ziel hat der Siebzigjährige seit jenem 30. Mai 1951 hingearbeitet, als er König Paul in einem Schreiben mitteilte, daß er auf Grund seines schlechten Gesundheitszustandes gezwungen sei, von seinem Posten als Oberbefehlshaber des Heeres zurückzutreten. In Wirklichkeit äußerte sich damals schon eine zwischen ihm und dem König bestehende Spannung, die auch nach dem Rücktritt des Marschalls fortdauerte, obwohl der König sichtlich bemüht war, sie zu beseitigen. – Als Politiker und Parteiführer hat Papagos keine neue politische oder soziale Ideologie geschaffen. Seine Partei kennzeichnet vielmehr eine gewisse Programmlosigkeit, die es den Politikern aus anderen Lagern erleichterte, zu seiner Bewegung zu stoßen. Die Zukunft wird zeigen, ob die Hoffnungen der Wähler auf eine Erneuerung des gesamten nationalen Lebens durch Papagos erfüllbar sind und ob sich zwischen der neuen Regierung und dem König die Zusammenarbeit wiederherstellen läßt, die den inneren Frieden sichert.

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In der „Autonomen Region“ von Bozen und Trentino fanden die Landtagswahlen und die Wahlen von 46 neuen Regionalräten – 22 für die Provinz Bozen und 24 für das benachbarte Trentino – statt. Die Südtiroler Volkspartei, die die Interessen der deutschsprachigen Bevölkerung verteidigt, behauptete in der Provinz Bozen ihre Mehrheit, während die italienische christlichdemokratische Partei de Gasperis im Trentino wie früher an der Spitze blieb.

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Der Katyn-Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, der in seinem Bericht vom 2. Juli einstimmig festgestellt hatte, daß die Ermordung von 10 000 bis 15 000 polnischen Offizieren und Intellektuellen im Walde von Katyn von Beamten des russischen NKWD ausgeführt wurde, ist nunmehr in einen neuen Abschnitt seiner Untersuchung getreten. Er ist dabei, festzustellen, ob die amerikanische Regierung während der Zeit des Bündnisses mit der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg Informationen unterdrückte, aus denen deren Schuld an den Massenmorden hervorging. George Earle, ein früherer Gouverneur des Staates Pennsylvania, berichtete dem Ausschuß, daß er auf einer Sondermission im Auftrage Roosevelts in der Türkei Dokumente in die Hände bekommen habe, die die Schuld der Russen an dem Massenmord befielen hätten. Er habe diese Dokumente 1944 Rocsevelt gezeigt, doch hätte ihm dieser geantwortet: „George, das ist alles deutsche Propaganda und von den Deutschen ausgeheckt. Ich bin vollkommen überzeugt, daß die Russen es nicht waren.“ Earle fügte hinzu: „Die Hingabe, der Respekt und der Glaube an Rußland im Weißen Haus waren mir einfach unverständlich.“

Der Rücktritt des UNO-Generalsekretärs Trygve Lie hat zu zahlreichen Kommentaren über die mutmaßlichen Hintergründe geführt, die Lie in diesem Schritt bewogen haben. Die Ansicht derjenigen, die glauben, Lie wolle auf diese Weise nur ein Vertrauensvotum der Vollversammlung erhalten und werde sich zur Zurücknahme seines Rücktritts bewegen lassen, falls sich der Sicherheitsrat nicht auf einen Nachfolger einigen könne, hat inzwischen eine gewisse Bestätigung erfahren. Lie erklärte nämlich, daß er bereit sei, sein Amt ein weiteres Jahr auszuüben, falls es den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates nicht gelingen sollte, sich über seinen Nachfolger zu einigen. Bis jetzt liegen allerdings noch keine Beweise dafür vor, daß die Mitglieder des Sicherheitsrates sich über die Person des Nachfolgers nicht werden einigen können. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der iranische Delegierte Nosratollah Entezem, der in einer kritischen Zeit das Amt des Präsdenten der UNO unparteiisch und mit großem Geschick geführt hat. Aus diplomatischen Kreisen verlautet, daß die Sowjetunion. England und Frankreich angedeutet haben, daß sie mit Entezem einverstanden wären; die Vereinigten Staaten hätten noch keinen Beschluß gefaßt, während Nationalchina in dieser Frage die Initiative nicht ergreifen wolle. E. K.