Beethovens Totenmaske – Seite 1

Ich sehe immer seine schwere Braue.

Groß, schwarz, mit wildem Haar und vorgebeugt

pflügt er das Land. Verwandelt hebt

sich sein Gesicht aus dieser Totenmaske,

durch deren weißes Licht das Auge starrt.

Die plumpen Hände sehe ich gefaltet; wild der

Mantel;

Beethovens Totenmaske – Seite 2

das Licht greift aufwärts nach den Augenhöhlen;

das Lungern um die Lippen, deren Öffnung

der hohlen Öffnung einer Orgelpfeife gleicht:

Dort singt der Wind und harte Sehnsucht weint.

Er kreuzt durch meine Träume wie ein Schiff.

Was anderes als er ist Eisen? Die Felder teilen sich

und heben sich wie Meer, das wogt. Er ist

Beethovens Totenmaske – Seite 3

gefangen, in der Maske, abgetrennt;

er sieht das Leben – außen – quellhaft springen.

In jenem Haupte aber rauschen Wolken

und rauschen wie in Muscheln wilde Wogen.

Die Blätter flüstern; duckend vor dem Regen,

steigt in ihm der April, würgt seine Lungen

und klimmt sich in die Schmerzen seines Hirns.

Beethovens Totenmaske – Seite 4

– Dann hört das Trommeln auf, die Ferne zeigt

sich,

umwölkte Gipfel liegen bloß; der mystisch Eine

vertreibt den Dunst wie blau entflammter

Himmel.

Und Friede... Traum und Schädel sprengend

kommt,

Beethovens Totenmaske – Seite 5

uns blendend, dann die Dröhnende, die Sonne.

Deutsch von Kurt Heinrich Hansen