Die Waggon- und Maschinenbau-GmbH (WUMAG) in Hamburg-Steinwerder hat in der relativ kurzen Zeit ihres Bestehens bereits Geschichte gemacht. Mit zu geringem Eigenkapital ausgestattet, hat sie sich an Aufgaben herangewagt, denen sie nicht gewachsen sein konnte, zumal die Betriebsführung offensichtlich nicht über die Qualitäten verfügte, die nun einmal ein im Aufstieg befindliches Großunternehmen verlangt. So machte man Preisangebote, von denen man hätte wissen sollen, daß sie nicht ausreichend waren. Weiter garantierte man Lieferfristen, die nicht eingehalten werden konnten, und schlitterte auf diese Weise in den Zustand der „Vertragshilfe“ hinein. Als letzter Rettungsanker sprang der Hamburger Senat mit beträchtlichen Mitteln ein, um 1600 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz zu erhalten.

Er hat damit allerdings keinen glücklichen Griff getan, denn die WUMAG wurde durch die „Sanierung“ vor einem Jahr keineswegs lebensfähig. Die Folge war, daß die Hamburger Bürgerschaft jetzt noch einmal für 17 Mill. DM Steuergelder bewilligen mußte. Das soll allerdings der letzte Schritt sein, den der Senat in dieser Angelegenheit getan hat, denn wenn man nicht in Kürze einen privaten Interessenten für die WUMAG findet, will man den Betrieb nach Erfüllung seiner Lieferfristen (etwa Mitte 1953) auslaufen lassen und liquidieren. Da die deutschen Reedereien grundsätzlich an der Aufrechterhaltung der Schiffsmotorenfabrik interessiert sind und die Schiffsmotorenkapazität noch keineswegs als ausreichend bezeichnet werden kann, dürfte das vollends sanierte Unternehmen unter tüchtiger Leitung durchaus eine Lebenschance haben. Allerdings wird sich niemand finden, der die hohen Verpflichtungen zu übernehmen gewillt ist, so daß feststehen dürfte, daß ein erheblicher Teil der investierten Gelder verloren ist.

Die Lehre, die aus diesem Fall zu ziehen wäre, dürfte sein, daß sich der Staat selbst auf Drängen privatwirtschaftlicher Kreise nicht in den Ausleseprozeß der Wirtschaft einschalten sollte. Wenn für einen Betrieb ein echtes Bedürfnis besteht, so sind bislang immer Mittel und Wege (selbst nach einem Konkurs) zu seiner Weiterführung gefunden worden und damit auch die Arbeitsplätze erhalten geblieben. Diesen Beweis lieferte erst kürzlich die Tuchfabrik Aachen AG. Der Vorwurf, daß die „Sanierungsmaßnahmen“ des Hamburger Senats die endgültige Gesundung der WUMAG um ein Jahr verzögert hat, ist kaum von der Hand zu weisen. -ndt.