Neunzig Jahre Hoechster Farbwerke. Vor 90 Jahren, am 4. Januar 1863, wurde die Stammfirma der Farbwerke HoechstAG vorm. Meister Lucius und Brüning unter dem Namen Meister Lucius und Co. in das Handelsregister der Stadt Höchst am Main eingetragen. In den folgenden Jahrzehnten der Entwicklung der deutschen chemischen Industrie gehörte das Werk stets zu den größten Chemieunternehmen Deutschlands. Neben der ständigen Erweiterung des Werkes Hoechst erwarb die Firma in der Folge eine Reihe von Beteiligungen an anderen chemischen Werken Süd- und Westdeutschlands und ging mit diesen als eine Gründerfirma 1925 in der IG-Farbenindustrie AG auf. Bei der Aufteilung der IG-Farbenindustrie AG nach 1945 gem den alliierten Dekartellisierungsbestimmungen wurden Ende 1951 unter dem Firmennamen Farbwerke Hoechst AG vorm. Meister Lucius und Brüning das Werk Hoechst, die Chemische Fabrik Griesheim, die Naphtochemie Offenbach und die Lechchemie Gersthofen zusammengefaßt. Als Tochtergesellschaften gehören zu dem Unternehmen: Die Knapsack Griesheim AG, die Bobingen AG für Textilfaser, die Behringwerke AG, Marburg, und die Sperr- und Faßholzfabrik Goldbach GmbH. An der Zuteilung der den Farbwerken seit Jahrzehnten gehörenden Anteile zu 49 v. H. an der Wacker GmbH, Manchen, ist nicht mehr zu zweifeln. Trotz der Übereinstimmung aller deutschen Beteiligten haben aber bezüglich der Verbindung zwischen der Kalle & Co. AG, Wiesbaden, und der Farbwerke Hoechst AG, die ebenfalls seit Jahrzehnten bestanden hat, die alliierten Stellen ihre Zustimmung noch nicht gegeben. Ohne Wacker und Kalle beschäftigen die in der Farbwerke Hoechst AG zusammengefaßten Werke und Tochtergesellschaften 22 000 Personen. Der Umsatz erreichte 1952 nahezu den des Jahres 1951.

Investitionsbedarf bei den Farbenfabriken Bayer. Die Gesamtumsatzentwicklung in 1952 bei den Farbenfabriken Bayer darf, wenn auch auf einzelnen Teilgebieten gegenläufige Tendenzen aufgetreten sind, im Hinblick auf die Ausgleichsmöglichkeiten, die die Breite des Produktionssortiments bietet, als stetig beurteilt werden, heißt es in einem Bericht von Generaldir. Dr. Ulrich Haberland. Es darf angenommen werden, daß der Umsatz voraussichtlich etwa 9 v. H. niedriger war als 1951. Die Senkung der Verkaufspreise dürfte sich stützend auf die Umsatzentwicklung auswirken. Allerdings sei so auch die Gewinnspanne entsprechend eingeengt. Sie beschränke damit auch den Teil der Neuanlageinvestitionen, der über die Abschreibungen hinausgehe und aus dem Gewinn finanziert werden sollte. 1952 betrugen die Aufwendungen für Neuanlagen der Farbenfabriken Bayer (1938 = 100) im ersten Quartal 300 v. H., im zweiten Quartal 374 v. H. und im dritten Quartal 398 v. H. In den kommenden Jahren müßten noch erhebliche Beträge investiert werden sowohl um die alten Anlagen zu erhalten als auch um die erforderlichen Neuanlagen zu schaffen. Auch die Forschung erfordere entsprechende Mittel auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung. Man hofft, daß die noch offenen Fragen der Entflechtung, so vor allem die Ausstattung der Farbenfabriken Bayer AG mit dem Vermögen der Werke und die endgültige Entlassung aus der alliierten Kontrolle, bald ihre Lösung finden werden, so daß die Farbenfabriken Bayer AG als nach deutschem Recht vollwertige Gesellschaft im Wirtschaftsleben in Erscheinung treten könne.

Endgültige Kapitaleinbringung bei Cassella mit 34,1 Mill. DM. Die am 6. Mai 1952 mit vorläufig 100 000 DM aus dem ehemaligen IG-Farbenbereich ausgegründete Cassella Farbwerke Mainkur AG in Frankfurt/M.-Fechenheim wurde am 19. Dezember durch Erhöhung des AK auf 34,1 Mill. DM (Namensaktien) und Einbringung der Anlagen des Werkes Mainkur aus dem Vermögen der IG-Farbenindustrie AG i. L. endgültig errichtet, rückwirkend ab 1. Januar 1952. Das Unternehmen, welches das Werk Mainkur der ehemaligen IG-Farbenindustrie betreibt und die Tradition der Farbwerke Leopold Cassella & Co GmbH. – einer der Gründerfirmen der IG-Farbenindustrie – fortsetzt, scheidet damit aus der alliierten Kontrolle aus.

Galalithgesellschaft plant Kapitalerhöhung. Die HV der Internationale Galalithgesellschaft AG, Hamburg-Harburg, beschloß, den 1951 ausgewiesenen Verlust von 0,05 Mill. DM aus dem Gewinnvortrag der Vorjahre zu tilgen. Wie auf der HV mitgeteilt wurde, hat sich die Nachfrage nach Galalith, das heute fast ausschließlich für die Herstellung von Knöpfen, verwendet wird, auf neue Kunststoffe verlagert. Um die Erzeugung dieser Entwicklung anpassen zu können, braucht die Gesellschaft neue Mittel. Man denkt daher an eine Kapitalerhöhung. Diese Frage dürfte auf einer ao. HV entschieden werden, die voraussichtlich für Anfang April einberufen werden wird. Der Absatz von Harlon, einer vollsynthetischen Faser, ist weiter gestiegen. Der AR wurde in der bisherigen Zusammensetzung wieder gewählt.

Der erste Krupp-Bericht. Nach über siebenjähriger Pause sind zum Jahreswechsel erstmalig wieder im 37. Jahrgang die Kruppschen Mitteilungen, eine Werkzeitschrift, erschienen. Die Verwaltung der Friedr. Krupp, Essen, benutzte diese Gelegenheit, einen kurzen Firmenrückblick zu geben. Nach 55 Luftangriffen waren seinerzeit ein Drittel der bebauten Fläche des Werkes vollständig, ein weiteres Drittel mittelschwer bis schwer beschädigt. Ein Kernstück des Werkes, das Hüttenwerk in Borbeck, blieb unversehrt. Hier wurden Edel- und Sonderstähle hergestellt. Aber die britische Militärregierung verfügte die Demontage von 75 v. H. des Maschinenparks der Gußstahlfabrik in Berbeck. Ein großer Teil davom ging nach UdSSR. Die Trennung von Kohle, Eisen, Stahl und Erzbergbau, Inhalt alliierter Verfügungen, beengte den Rahmen der Firma Friedr. Krupp sehr schwer. In Essen blieb lediglich die Lokomotiv-Fabrik, die WIDIA-Fabrik, ferner die Baubetriebe, die Elektrowerkstätten, der Essener Maschinenbau und die Sozialeinrichtungen. In Rheinhausen kam der Stahlbau Rheinhausen, in Meppen die Torf wirtschall, in Hamburg die Harburger Eisen- und Bronzewerke AG und in Düsseldorf die Feinblechwerke Capito & Klein wieder in Arbeit. Die ehemalige Lastwagenfabrik Krupps wurde aus Süddeutschland nach Essen zurückverlegt und arbeitet hier als Südwerke Motoren- und Kraftwagenfabriken GmbH. Mitte 1950 konnte der Apparatebau und die Blechverarbeitung in der ehemaligen Blechpresserei anlaufen. Schließlich gelang es auch, eine kleine Schmiede und einen Gießereibetrieb in Tätigkeit zu bringen. Die Zahl der Beschäftigten in den Essener Betrieben, die bei Kriegsende fast 22 000 Mann betragen hatte, ging bis 1949 auf 11 338 zurück und beträgt zurzeit wieder 16 000 zuzüglich 1750 Arbeitskräften bei den Südwerken und 7800 Arbeitskräften in den Bergwerken.

Die "Alte Volksfürsorge" Gewerkschaftlich-Genossenschaftliche Lebensversicherungsaktiengesellschaft in Hamburg konnte auf ihr vierzigjähriges Bestehen zurückblicken. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten zur zweitgrößten Lebensversicherungs- und zur größten Volksversicherungsgesellschaft Deutschlands entwickelt. Sie verzeichnet

Vollmoeller AG: Ermäßigte Dividende für 1951. Die Vereinigte Trikotfabriken Vollmoeller AG in Stuttgart-Vaihingen schloß das Geschäftsjahr 1951 bei einem Rohertrag von 3,45 (1950: 4,46) Mill. DM und 0,26 (0,51) Mill. DM Abschreibungen mit einem Gewinn von 23 110 DM (0,24 Mill. DM), der sich um den Gewinnvortrag auf 0,24 Mill. DM erhöht. Die HV beschloß, hieraus eine auf 4 (i. V. 6) v. H. ermäßigte Dividende auf 2,7 Mill. DM Grundkapital zu verteilen und 0,13 Mill. DM vorzutragen. Die Umsätze sind im 1. Halbjahr 1951 erneut gestiegen, woran insbesondere das Badeanzuggeschäft Anteil hatte. Trotz der Stagnation des Textilgeschäftes im 2. Halbjahr 1951 habe der Gesamtjahresumsatz etwa auf Vorjahreshöhe gelegen. Das Ergebnis wurde allerdings dadurch beeinträchtigt, daß die Gesellschaft das Preisrisiko bei ihren "Lanova"-Fabrikaten und die sich daraus ergebenden Verluste übernommen habe. Auch 1952 blieb bis in den Herbst hinein dem starken Konjunkturrückgang unterworfen? im September und Oktober seien dann allerdings Aufträge eingegangen, die das Ausmaß der üblichen Saisondispositionen übertroffen haben. Wertmäßig (infolge des inzwischen niedrigeren Preisniveaus) haben allerdings die Umsätze nicht ganz diejenigen des Vorjahres erreicht. Bei allgemein verschärften Wettbewerbsbedingungen werden die Aussichten für 1953 dennoch günstig beurteilt.