Werner Helwig: Die Widergänger. Roman. (Eugen Diederichs Verlag, Köln, 182 S., Leinen 9,80 DM.)

Ein thessalisches Dorf widersetzt sich den ihm abstrakt erscheinenden Forderungen der Athener Zentralregierung, es meutert sozusagen für sich selbst. Nicht daß es revolutionäre Absichten hätte. Es sagt nur "Nein" und tut "Nein", dies letztere allerdings in einer so drastischen Weise, daß Tote dabei zurückbleiben. Die Regierung erläßt "Haftbefehle schickt eine Polizeiarmee, umkreist das Dorf und da sich niemand freiwillig verhaften läßt, kommt es zur Schlacht. Mit dem Abend dieser Schlecht, einer blutigen Schlacht, beginnt die eigentliche Erzählung. Sieben Männer von Ochi, was "Kein" heißt, haben sich in die Mauern eines verlassenen Bergklosters zurückziehen können. Die Polizei hat sie umstellt, am anderen Morgen sollen sie ausgeräuchert werden. Sie haben noch eine Nacht. Die Gespräche dieser Henkersnacht und die wunderlichen Taten in ihr, Wachgänge durch die Katakomben des Klosters, ab und zu eine Kampfhandlung füllen den kleinen Roman, bis am Morgen eine unerwartete Rettung für sechs der sieben Ochimänner eintritt, die ihnen die Freiheit wiederschenkt.

"Da dem Roman eine wahre Begebenheit zugrunde "liegt, hat der Autor es für nötig befunden, Namen, Daten und örtlichkeit verschleiert zur Darstellung zu bringen." Eine höchst "romantische" Geschichte also, aus unseren Tagen. Werner Helwig, seit seinen "Raubfischern in Hellas" durch eine ganze Reihe im Süden spielender Erzählungen bekannt, hat mit diesem kleinen Roman ein Stück kostbarer, mit den klarsten lyrischen Tönen versetzter Erzählungskunst geschaffen. Man liebt diese halbwilden Dorfgriechen, weil sie mehr und intensiver "Menschen" sind, Freiheitsraufbolde gleichsam, als der Durchschnitt des heutigen Europäers oder Asiaten. Sie leben real und mit höchst persönlichen Gebärden in Helwigs Schilderungskunst, obwohl diese alles andere als naturalistisch oder auch nur realistisch ist, sich eher sprachlich noch etwas zu sehr um expressionistische Geballtheit müht. Um so geschickter war es, den Handlungsablauf durch drei kleine Zwischengeschichten zu unterbrechen, in denen der Erzähler auf seine persönliche Weise alte mündliche Erzählüberlieferungen benutzt hat. Die Geschichte vom wandernden Leichnam des Kartschanas, das mittlere der drei Einschubstücke, bringt einen Zug unvergeßlichen grotesken Humors in das Ganze dieses sonst sehr ernsten, balladesken "Romans". Joachim Günther